Siebenter Vortrag

GA 219/1922-12-22/p003 ·1922-12-22 · original (original)
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Der Mensch nimmt durch seine Sinne die Dinge der Welt wahr, aber er nimmt nicht mit dem gewöhnlichen Bewußtsein wahr, was sich innerhalb seiner Sinne selber abspielt. Würde er das im gewöhnlichen Leben tun, so würde er nicht die äußere Welt wahrnehmen können. Die Sinne müssen sozusagen sich selbst verleugnen, wenn sie zur Kenntnis des Menschen bringen wollen, was außerhalb der Sinne in der uns zunächst auf der Erde umgebenden Welt liegt. Redeten gewissermaßen unsere Ohren, redeten unsere Augen, würden wir also die Vorgänge, die sich in unseren Ohren, in unseren Augen abspielen, wahrnehmen, dann würden wir nicht hören können, was äußerlich hörbar ist, wir würden nicht sehen können, was äußerlich sichtbar ist. Aber gerade dadurch lernt der Mensch die Welt um sich her kennen, insofern er zunächst ein Erdenwesen ist, er lernt aber nicht sich selbst kennen. Sich selbst kennenlernen setzt voraus, daß man während dieses Vorganges der Selbsterkenntnis die Erkenntnis der Außenwelt zum Stillstand bringen kann, daß man also von der Außenwelt nichts erfährt.

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Cite: GA 219/1922-12-22/p003 · edition original