Siebenter Vortrag

GA 219/1922-12-22/p015 ·1922-12-22 · original (original)
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Die Sinnesgebiete in uns — ich möchte mich des paradoxen Ausdruckes bedienen, Sie werden schon verstehen, was ich meine - sind schon fast eine Außenwelt. Betrachten Sie einmal das menschliche Auge zum Beispiel: es ist wie eine unabhängige Wesenheit — das ist alles nur vergleichsweise, selbstverständlich -, aber es ist wirklich wie eine unabhängige Wesenheit da hineingelegt in eine Höhle des Schädels, setzt sich dann weiter nach innen mit verhältnismäßiger Selbständigkeit fort. Aber wenn Sie das Auge selbst betrachten: es ist zwar durchlebt, aber es ist merkwürdig ähnlich einem physikalischen Apparat. Wir können so merkwürdig ähnlich im Auge die Vorgänge charakterisieren, wie wir sie auch in einem physikalischen Apparat charakterisieren. Die Seele umfaßt gewiß die Vorgänge, die auf diese Weise entstehen, aber man kann schon sagen, daß die Sinnesorgane das sind, was ich öfter als Bezeichnung dafür gewählt habe: daß die Sinnesorgane oder die Sinnesgebiete wie Golfe sind, welche die Außenwelt in unser eigenes menschliches Innere hineinsendet. Es setzt sich gewissermaßen die Außenwelt in uns hinein fort in den Sinnen, und wir Menschen nehmen in unserem Sinnesgebiete an der Außenwelt viel mehr teil als in den andern Gebieten unseres Organismus.

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Cite: GA 219/1922-12-22/p015 · edition original