I. Goethes Faust als Bild seiner esoterischen Weltanschauung

GA 22/l01/p064 · original (original)

Auch das äußere Leben Fausts wird nunmehr das eines Menschen, der seine Existenz aufgegeben hat, um zu existieren. Er will ganz selbstlos im Dienste der Menschheit wirken. Noch eine Prüfung steht ihm aber bevor. Auch er kann auf seiner Stufe das Wirken im materiellen Dasein mit den reinen Bedürfnissen des Geistes nicht voll in Einklang bringen. Er hat dem Meere Boden abgewonnen. Er hat darauf eine herrliche Kulturstätte errichtet. Aber ein altes Häuschen ist noch stehen geblieben; ein altes Paar wohnt darinnen. Das stört die neue Schöpfung. Die Alten wollen den herrlichsten Besitz nicht eintauschen für ihr Anwesen. Faust muß sehen, wie Mephistopheles seinen Wunsch mit der Wendung ins Böse ausführt. Ihre Habe steckt er in Brand; das Paar stirbt vor Schrecken. Faust muß es nochmals erleben, daß die «vollkommene Menschwerdung» «verdüstert und beschränkt», daß sie zur Schuld führen muß. Seine Sinne, sein Materielles waren es, die ihm diesen Streich gespielt, die ihm diese Prüfung auferlegt haben. - Als er das Glöckchen von der Kapelle der Alten läuten hört, da bricht er in die Worte aus:

Read this passage in another edition
DEoriginalENAPC1925
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/22/l01/p064.json
Cite: GA 22/l01/p064 · edition original