III. Der Nachtmensch und der Tagesmensch. In Das Reine Denken Kann Das Ich-Wesen Hineingeschoben Werden

GA 221/1923-02-04/p011 ·1923-02-04 · original (original)
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Dazu ist notwendig, daß man den Begriff des Schlafens in all seiner Relativität erfasse. Man muß sich klar sein darüber, was die anthroposophische Erkenntnis mit Bezug auf diese Idee vom Schlaf eigentlich gegenwärtig ist. Stellen wir nebeneinander zwei Menschen, von denen der eine von all den Dingen nichts weiß, die in der anthroposophischen Erkenntnis dargeboten werden, und stellen wir daneben einen Menschen, der wirklich mit innerem Anteil, mit innerem Interesse, nicht bloß mit passivem Zuhören oder in passivem Lesen, sondern mit innerem Interesse das Anthroposophische aufgenommen hat: dann ist derjenige, der das Anthroposophische nicht aufgenommen hat, wie ein Schläfer gegenüber dem, der das Anthroposophische aufgenommen hat und im Anthroposophischen so erweckt ist, wie der Mensch des Morgens erweckt wird, wenn er aus der Bewußtlosigkeit in seinen physischen Leib eintaucht. Und wir bekommen die richtige Stellung innerhalb der Anthroposophie, wir bekommen die richtige Orientierung für die anthroposophische Bewegung nur dann, wenn wir sie so betrachten, daß sie uns etwas gibt wie das Aufwachen am Morgen, wenn wir das Herankommen an die Anthroposophie im rechten Sinne vergleichen mit dem, was wir fühlen, wenn wir aus der Bewußtlosigkeit des Schlafes übergehen in das Wahrnehmen einer äußeren Welt. Wenn wir das auch im Gefühl haben können: So wie das Untertauchen in den physischen Leib beim Aufwachen uns eine Welt gibt, nicht nur eine Erkenntnis, sondern eine Welt gibt, so gibt uns das Untertauchen in anthroposophische Erkenntnis eine Welt, eine Erkenntnis, die nun nicht bloß Erkenntnis ist, sondern die eine Welt ist, eine Welt, in die hinein wir aufwachen. Solange wir das Anthroposophische nur anschauen als ein anderes Weltbild, solange haben wir nicht die richtige Empfindung gegenüber der Anthroposophie. Wir haben nur die richtige Empfindung gegenüber der Anthroposophie, wenn der Mensch, der Anthroposoph wird, fühlt, daß er in der Anthroposophie erwacht. Und er erwacht, wenn er sich sagt: Die Begriffe und Ideen, die mir die Welt vorher gegeben hat, sind Begriffsund Ideenleichname, sind tot. Die Anthroposophie weckt mir diesen Leichnam auf.

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