III. Der Nachtmensch und der Tagesmensch. In Das Reine Denken Kann Das Ich-Wesen Hineingeschoben Werden
Und so muß man sich sagen: Dasjenige, was heute als bewiesen gilt, das kann eben in Wirklichkeit bei einer tieferen Erfassung nicht verstanden werden. Und eigentlich schlägt erst das Verständnis in das, was sonst heute von der Zivilisation geboten wird, ein, wenn man den Funken der Anthroposophie hineinschlagen läßt. — Derjenige hat recht, der, sagen wir, einem bloßen Naturgelehrten von heute, der zu ihm kommt und sagt: Ich kann meine Sache beweisen, du kannst sie nicht beweisen - ihm dann erwidert: Gewiß, du kannst alles in deiner Art beweisen, aber gerade das, was du mir bewiesen hast, wird für mich erst verständlich, wenn ich den Funken der Anthroposophie hineinschlagen lasse. - Das müßte die Auskunft eben sein, die aus einem voll von lebendigem Geistesleben durchdrungenen Herzen heraus der Anthroposoph dem Nichtanthroposophen erwidern kann. Der Anthroposoph müßte sagen: Du schläferst dich ja ein mit deinem Naturwissen; du schläferst dich so weit ein, daß du sagst: Ich habe Grenzen des Naturwissens, ich kann ja gar nicht aufwachen, ich kann nur konstatieren, daß ich mit meinem Naturwissen überhaupt nicht ans Geistige herankomme. Du hast ja noch eine Theorie für deinen Schlaf, für die Berechtigung deines Schlafes. Ich will aber gerade diese Theorie von der Berechtigung deines Schlafes dadurch widerlegen, daß ich das, was da Schlaf ist, zum Aufwachen bringe.
Cite:
GA 221/1923-02-04/p013 · edition original