III. Der Nachtmensch und der Tagesmensch. In Das Reine Denken Kann Das Ich-Wesen Hineingeschoben Werden

GA 221/1923-02-04/p043 ·1923-02-04 · original (original)
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Es ist ja ein gewisser schicksalsmäßiger Zusammenhang, daß, als uns das große Unglück getroffen hat hier mit dem Goetheanum, es besonders ansichtig wurde, daß eigentlich der Schaden der Anthroposophie im Nichttun liegt, im Nicht-angreifen-Wollen liegt. Und dadurch sind wir eben in diejenigen Konflikte hineingetrieben worden, die heute im Schoße der Anthroposophischen Gesellschaft vorhanden sind, und die zu nichts anderem führen sollten als eben zur um so kraftvolleren Gesundung. Aber dazu muß auch wirklich erst ehrlich eingesehen werden, was notwendig ist. Dazu ist vor allen Dingen das notwendig, daß man sich nicht Illusionen hingibt über die Tatsachen, die allmählich in eine Art von Sackgasse getrieben haben. Eine Illusion wäre es durchaus, wenn wir in etwas anderem als in dem Nicht-beider-Stange-Bleiben gewisser Persönlichkeiten den Schaden sehen würden. Ilusionen verträgt aber heute die Anthroposophische Gesellschaft nicht mehr. Sie verträgt auch das nicht, daß eine bloße unfruchtbare Kritik geübt würde an dem Vergangenen, sondern sie verträgt nur, daß man tatsächlich auf das hinweist, was notwendig ist. Und das ist, zu erkennen, daß der Wunsch kein Wille ist, daß man nicht sagen darf, ich habe den besten Willen, wenn sich dieser beste Wille in drei Wochen so erweist, daß er eben gar kein Wille ist, sondern daß man sich dann hingesetzt hat auf seinen Stuhl und eben dem Titel nach das gewesen ist, was man auf diesem Stuhle ist, aber eben nur den passiven guten Willen gehabt hat. Aber passiver guter Wille ist ein Contradictio in adjecto. Der Wille ist nur ein guter Wille, wenn er tätig ist. Das verträgt die anthroposophische Bewegung in ihrer dritten Phase nicht, daß man Resolutionen faßt: Wir stellen uns zur Verfügung. Das ist das schlimmste Verkennen, wenn man solche Resolutionen faßt, das schlimmste Verkennen der eigentlichen Aufgaben.

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