V. Erdenwissen und Himmelserkenntnis. Der Mensch als Bürger des Universums und der Mensch als Erdeneremit

GA 221/1923-02-10/p022 ·1923-02-10 · original (original)
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Aus alledem geht etwas höchst Merkwürdiges hervor. Die modernen Menschen haben nun schon seit Jahrhunderten dasjenige ins menschliche Leben hereinbekommen, was sie früher erst nach dem Tode gehabt haben: Das intellektuelle Weltbegreifen und das Freiheitsbewußtsein. Aber sie haben es gar noch nicht einmal richtig bemerkt. Das ist das Merkwürdige, daß die moderne Menschheit etwas, was sie vom Himmel bekommen hat in das Erdenleben herein, noch gar nicht einmal richtig bemerkt hat. Es hat das gar nicht ergriffen die Gefühlswelt, das Elementarische in der Menschenwelt. Man möchte sagen, eher hat das für die Menschheit einen bitteren Beigeschmack. Den reinen Gedanken betrachtet ja die Menschheit nicht so, wie ich versucht habe in meiner «Philosophie der Freiheit» ihn zu betrachten, wo man eigentlich lieber, statt ihn erst auseinanderzunehmen, schon Hymnen auf ihn singen möchte. Und das Freiheitsbewußtsein hat zunächst die Menschen zu allerlei Tumultuarischem veranlaßt, nicht aber zu der Erkenntnis, daß etwas vom Himmel auf die Erde heruntergestiegen ist. Nicht einmal die Grundkraft der modernen Entwickelung der Menschheit wurde rein menschlich empfunden. Woher kommt das?

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Cite: GA 221/1923-02-10/p022 · edition original