Erster Vortrag

GA 223/1923-09-27/p011 ·1923-09-27 · original (original)
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Aus diesem Stehenbleiben im göttlich-geistigen Willen entstand bei Michael der Impuls, das Richtige zu tun mit demjenigen Wesen, das vorzeitig, wenn ich so sagen darf, zur Freiheit gegriffen hat. Denn die Gestalten, welche die Wesenheiten der Hierarchie der Archangeloi, Angeloi, Archai hatten, waren einfach nicht angemessen einem Wesen, das in der angedeuteten Art einen freien, von dem Göttlichen emanzipierten Willen haben sollte. Dazu sollte im Laufe der Entwickelung der Welt die Gestalt erst später entstehen, nämlich die menschliche Gestalt. Aber das alles wird in eine Zeit versetzt, in der im Zusammenhange des Kosmos die menschliche Gestalt noch nicht möglich war; auch die höheren tierischen Gestalten waren noch nicht möglich, nur jene niederen tierischen Gestalten, die ich vorhin charakterisiert habe. Und so mußte sozusagen eine kosmisch widerspruchsvolle Gestalt entstehen. In die mußte gewissermaßen der widersetzliche Geist gegossen werden. Es konnte nicht eine Tiergestalt sein, die erst später entstehen durfte, es konnte auch nicht eine der Tiergestalten sein, wie sie dazumal waren in der gewöhnlichen, sozusagen weichen Materie. Es konnte nur eine Tiergestalt sein, welche von den in der physischen Welt möglichen Tiergestalten abwich, aber doch wiederum, weil sie einen kosmischen Widerspruch darstellen sollte, tierähnlich wurde. Und die Gestalt, die einzig und allein aus dem heraus, was damals möglich war, geschaffen werden konnte, diese Gestalt ist die Gestalt des Drachen. Natürlich wurde sie dann von dem einen so, von dem andern anders aufgefaßt, wenn sie gemalt oder sonstwie wiedergegeben werden sollte; sie wird mehr oder weniger treffend oder auch unzutreffend dargestellt werden, je nachdem derjenige, der sie darstellt, eine innere imaginative Einsicht hat in das, was dazumal möglich war für eine \Wesenheit, die einen widersetzlichen Willen entwickelt hat. Aber unter denjenigen Gestalten jedenfalls, die in der physischen Welt in der Tierreihe bis zum Menschen herauf möglich geworden sind, ist diese Gestalt nicht. Sie mußte eine übersinnliche bleiben. Aber eine solche übersinnliche Gestalt konnte nicht in jenem Reiche sein, in dem die Wesen der höheren Hierarchien, Archangeloi, Angeloi und so weiter sind, sie mußte sozusagen unter diejenigen Gestalten versetzt werden, die im Laufe der physischen Entwickelung entstehen konnten. Das ist der Sturz des Drachen vom Himmel auf die Erde. Das ist die Tat des Michael, daß gewissermaßen diese Gestalt in eine Form kam, die übertierisch ist, übersinnlich ist, die aber nicht im Reiche des Übersinnlichen verbleiben darf, denn trotzdem sie eine übersinnliche ist, widerspricht sie dem Reiche des Übersinnlichen, in dem sie vor ihrer Widersetzlichkeit war. Und so wurde diese Gestalt in die Welt versetzt, welche die physische Welt ist, aber als eine überphysische, übersinnliche. Sie lebte fortan in dem Reiche, in dem die Mineralien, Pflanzen, Tiere sind; sie lebte fortan in dem, was als Erde entstand. Aber sie lebte nicht so, daß Menschenaugen sie schen könnten, wie Menschenaugen die gewöhnlichen Tiere sehen können. Wenn das Seelenauge sich hinaufrichtet in die Welten, die sozusagen in dem höheren Weltenplane vorgesehen waren, so schaut es in seinen Imaginationen die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Wenn das menschliche physische Auge sich richtet auf die physische Welt, so schaut es das, was in den verschiedenen Reichen der Natur bis herauf zur physisch-sinnlichen Menschengestalt entstanden ist. Wenn sich aber das Seelenauge auf das richtet, was in der physischen Natur ist, dann schaut es diese in sich widerspruchsvolle Gestalt des Widersachers, desjenigen, der tierisch und doch wieder nicht tierisch ist, der in der sichtbaren Welt lebt und wieder selbst nicht sichtbar ist: es schaut die Gestalt des Drachen. Und in dem ganzen Entstehen des Drachen schauten diese Menschen einer älteren Zeit die Tat des Michael, der im Reiche des Geistigen in jener Gestalt zurückgeblieben war, die dem Reiche des Geistigen angemessen ist.

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