Dritter Vortrag

GA 223/1923-09-30/p019 ·1923-09-30 · original (original)
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Der alte Druidenpriester hatte sich dafür geschult, daß er dem, was er da vor seiner Seele hatte, es ansah, wie zu jeder Tageszeit, aber auch zu jeder Jahreszeit, der Schatten der Sonne anders fiel. Er konnte diese Schattengestaltungen verfolgen und aus ihnen heraus genau angeben: jetzt ist diese Märzzeit, jetzt ist diese Oktoberzeit. Er stand in der Wahrnehmung, die ihm dadurch vermittelt wurde, drinnen in dem, was im Kosmos vorging, aber auch in dem, was vom Kosmos aus Bedeutung für das Erdenleben hatte. Nun denken Sie sich nur, was man heute macht, wenn man den Einfluß des kosmischen Lebens für das irdische Leben bestimmen will. Was machen selbst die Bauern? Sie haben ihren Kalender, in dem steht, was man an dem oder jenem Tage machen soll. Es wird auch das nur annähernd gemacht, denn die gründlichen Erkenntnisse, die einmal von diesen Dingen da waren, sind heute verglommen, aber Kalender gab es zur alten Druidenzeit nicht, es gab nicht einmal eine Schrift. Was der Druidenpriester aus seiner Sonnenbeobachtung heraus sagen konnte, war, was man über den Zusammenhang des Himmels mit der Erde wußte. Und wie der Druidenpriester sagte: Jetzt steht die Sonne so, daß der Weizen gesät werden sollte — oder: Jetzt steht die Sonne so, daß der Zuchtstier durch die Herde geführt werden muß -, so geschah es. Diese Zeiten hatten einen Kult, der wahrhaftig nicht ein abstraktes Gebet war, sondern sie hatten einen Kult, der das unmittelbar praktische Leben einrichtete nach dem, wie man sich mit dem Geistigen des Weltenalls in Verbindung setzte. Die große Sprache des Himmels wurde abgelesen, und sie wurde in den irdischen Dingen angewendet.

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Cite: GA 223/1923-09-30/p019 · edition original