Dritter Vortrag
Wir haben öfter gehört, wie man, wenn man in der Erdenentwickelung zurückgeht, zu alten Zeiten kommt, wo die Menschen nicht nur jene instinktive Weisheit gehabt haben, von der ich auch heute schon gesprochen habe, sondern wo sie als Lehrer Wesenheiten hatten, die niemals einen physischen Leib annahmen, höhere geistige Wesenheiten und solche Wesenheiten, die nur einen ätherischen Leib annahmen, deren Unterricht in bezug auf die Menschen darin bestand, daß diese Wesen zu den Menschen nicht sprachen, wie wir heute sprechen, sondern daß sie innerlich den Menschen die Weisheit eingaben, gewissermaßen dem ätherischen Leibe einimpften. Die Menschen wußten, daß diese höheren Wesenheiten da sind, geradeso wie wir wissen, daß irgendein physischer Lehrer oder dergleichen da ist, aber sie wußten auch, daß diese Wesen durchaus in einem Geistdasein um die Menschen herum sind. Auf diesen Unterricht höherer geistiger Wesenheiten führt alles das zurück, was selbst bis in die katholische Kirche hinein anerkannt wird als die Urweisheit der Menschen, jene Urweisheit, die einmal da war, von der selbst die Veden und die hehre Vedantaphilosophie nur schattenhafter Abglanz sind. Jene Urweisheit, die niemals aufgeschrieben ist, war so da, daß sie der Mensch nicht erdachte, sondern daß sie im Menschen erwuchs, denn die Einflüsse der Urlehrer müssen wir uns nicht so vorstellen, daß es ein demonstrierender Unterricht gewesen wäre. Wie wir heute als Kinder die Sprache lernen, nachahmend die älteren Menschen, ohne daß da ein besonderer Unterricht stattfindet, wie wir überhaupt vieles so entwickeln, als wenn es aus unserem Inneren herauswächst, so war in jenen Zeiten ein geheimnisvoller Einfluß der Urlehrer auf diese älteren Menschen vorhanden, nicht ein abstrakter Unterricht, so daß der Mensch sich einfach in einem bestimmten Lebensalter wissend wußte. So wie der Mensch heute in einem bestimmten Lebensalter Zähne bekommt oder geschlechtsreif wird, so ging damals auch das Wissen den Menschen in dieser Weise auf. Mancher Student würde, glaube ich, froh sein, wenn es heute auch noch etwas Derartiges gäbe, daß ihm das Wissen einfach aufginge, ohne daß er sich besonders anzustrengen hätte,
Cite:
GA 223/1923-09-30/p028 · edition original