Schicksalsgestaltung in Schlafen Und Wachen
Alle anthroposophischen Wahrheiten müssen nicht bloß theoretische Wahrheiten sein, durch die man etwas erkennt, sondern sie sind alle so, daß sie in die Stimmung, in die Gemütsverfassung übergehen. Und derjenige, bei dem sie nicht in die Gemütsverfassung übergehen, der hat sie noch nicht vollständig erfaßt, der hat sie bloß als theoretische Wahrheiten erfaßt. Das richtige Verstehen des Karma, des Schicksals, führt eben dazu, daß der Mensch zwar, indem er dem Leben gegenübersteht, sogar feiner empfänglich wird für Glück und Unglück, als er sonst es ist — er erlebt stark Glück und Unglück -, aber er findet auch die Möglichkeit, in seiner Seele sich gewissermaßen der geistigen Welt gegenüber in jene Stimmung zu versetzen, die nun nicht aus einem Glaubensbekenntnis heraus, sondern aus der Anschauung desjenigen kommt, was Ich und astralischer Leib tun, während sie dem Tagesleben entzogen sind. Aus der Anerkenntnis dessen kommt er in die Stimmung hinein, unerläßlich festzuhalten an der Weltgerechtigkeit. Karma verstehen heißt, in der richtigen Weise die Weltgerechtigkeit anschauen. Es heißt nicht, phlegmatisch werden gegenüber Glück oder Unglück, gegenüber Freude und Schmerz, aber es heißt, Freude und Schmerz, Glück und Unglück an die richtige Stelle des Lebens versetzen.
Cite:
GA 224/1923-04-06/p039 · edition original