Wiedergewinnung des lebendigen Sprachquells durch den Christus-Impuls
Und wieviel gäbe es in dieser Beziehung in unserer heutigen Gegenwart für eine Michael-Kultur, für eine Kultur, welche sich anfeuern ließe von dem, was ich in den verflossenen Betrachtungen den Michael-Gedanken genannt habe! Der Michael-Gedanke soll ja vorzugsweise lebendig werden durch ein Herbstfest. Die Blätter fallen, welk geworden, von den Bäumen, die Pflanzen werden welk, verdorren, das Leben mineralisiert sich. Dasjenige, was der Mensch im vorhergehenden Jahreslaufe gesehen hat als Sprießendes, Sprossendes, als Lebendiges, nimmt den Tod, das Untergehende in sich auf, das sich Mineralisierende. Da muß im Menschen die Michael-Kraft, die Willenskraft ersprießen, welche sich klar ist darüber, daß das Geistige dort Platz nimmt, wo das Physisch-Materielle abgelähmt wird und nach und nach erstirbt. Ein Fest der Impulsivität müßte als ein Abbild des in das welkende Naturgeschehen hineingestellten, seine Seele aber zu um so größerer Aktivität bringenden Menschen das herbstliche Michael-Fest Ende September werden. Und wird es das, dann wird alle menschliche Tätigkeit befruchtet.
Cite:
GA 224/1923-04-13/p037 · edition original