Die Schaffung eines Michael-Festes aus dem Geiste heraus Die Rätsel des inneren Menschen
Nun greifen aber drei Tätigkeiten, drei Dinge, die das Kind lernt, in dieser Zeit ein: dasjenige, was wir gewöhnlich zusammenfassen mit dem Ausdrucke Gehenlernen, dann das, was mit dem Sprechenlernen und das, was mit dem Denkenlernen für das Kind verbunden ist. Nun bezeichnen wir mit dem Ausdrucke Gehenlernen in einer außerordentlich abgekürzten und eben aus unserer Bequemlichkeit stammenden Weise eigentlich etwas, was außerordentlich kompliziert ist. Wir müssen nur daran denken, wie das Kind zunächst in völliger Ungeschicklichkeit in das Leben hereintritt, wie es nach und nach die Möglichkeit gewinnt, seine eigene Gleichgewichtslage in den Raum hineinzupassen, in dem es sich durch das ganze Leben hindurch bewegen soll. Es ist ja nicht bloß ein Gehenlernen, was wir beim Kinde wahrnehmen, sondern ein Aufsuchen der Gleichgewichtslage des irdischen Lebens, und verbunden mit diesem Gehenlernen ist der Gebrauch der Bewegungsgliedmaßen überhaupt. Für den, der für eine solche Sache das richtige Anschauungsvermögen hat, drücken sich in diesem Gehenlernen eigentlich die merkwürdigsten, großartigsten Lebensrätsel aus. Eine ganze Welt drückt sich aus in der Art und Weise, wie das Kind vom Kriechen zum Aufrichten, zum Füßchenstellen, aber auch zu allem andern, zum Aufrichten des Hauptes, zum Gebrauch der Arme und Gliedmaßen kommt. Und wer dann, ich möchte sagen, intimer da hineinsieht, wie das eine Kind das Füßchen mehr mit der Ferse aufstellt, das andere mehr dazu neigt, mit den Zehen aufzutreten, der wird vielleicht eine Ahnung bekommen von dem, was ich Ihnen gerade heute mit Bezug auf die genannten drei Tätigkeiten und ihren Zusammenhang mit der geistigen Welt werde auszuführen haben. Ich möchte nur vorher erst äußerlich diese drei Tätigkeiten noch charakterisieren.
Cite:
GA 224/1923-05-23/p004 · edition original