Die Schaffung eines Michael-Festes aus dem Geiste heraus Die Rätsel des inneren Menschen
Sie kennen die Darstellung in meiner «Theosophie». Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, macht er zunächst während einiger Tage den Zustand durch, der in dem Fortgehen der Gedanken, der Vorstellungen besteht. Man kann das so ausdrücken, daß man sagt: Der Ätherleib dehnt sich in die weite Welt hinaus aus, der Mensch verliert seinen Ätherleib. - Aber das ist dasselbe, wie wenn ich sage: Die Vorstellungen und Gedanken des Menschen gehen fort. -— Aber was heißt denn das eigentlich: die Vorstellungen, die Gedanken gehen fort? Das heißt nämlich im Grunde sehr viel. Das heißt nämlich, daß unser ganzes Wachleben von uns fortgeht. Unser ganzes Wachleben geht im Verlaufe von zwei, drei Tagen von uns fort, und es wäre von unserem Leben gar nichts mehr da, wenn wir dann nicht das durchlebten, was während des Erdenlebens unbewußt bleibt, wenn wir nicht dann anfingen, dasjenige in voller Bewußtheit zu durchleben, was wir während unseres Schlafeslebens durchgemacht haben. Dieses Schlafesleben ist nämlich geistig unendlich viel reicher, intensiver als das tagwachende Leben. Dieses Schlafesleben ist jedesmal, ob wit einen kurzen oder einen langen Schlaf durchmachen, eine rückwärtsverlaufende Wiederholung des Tageslebens, aber mit geistigem Einschlage. Das, was Sie als Handlungen durchgemacht haben während des Tages, bringt Sie während der Nacht in ein Verhältnis zu den Archai, zu den Urkräften. Was Sie als Sprechende am Tage durchgemacht haben, bringt Sie nachts in ein Verhältnis zu den Archangeloi, Erzengelwesen. Und was Sie als Denkende durchmachten, bringt Sie ebenso in ein Verhältnis zu Ihren Engelwesen, den Angeloi. Dasjenige, was da der Mensch durchmacht, ist ja auch unabhängig von der Zeit. Sie brauchen nicht zu sagen: Ja, es gibt aber diese Möglichkeit: Ich schlafe, auf einmal rumort etwas in der Nacht, irgend etwas, was weiß ich, weckt mich auf, dann kann ich doch nicht mein Zurückleben fertigmachen? - Doch mache ich es fertig, weil die Zeitverhältnisse ganz andere sind. In einem Augenblicke kann das durchgemacht werden, was sonst, wenn der Schlaf regelmäßig vor sich geht, durch Stunden dauern kann. Die Zeitverhältnisse sind während des Schlafeslebens eben ganz andere. Deshalb kann das durchaus gesagt werden und muß gesagt werden, daß der Mensch jedesmal, wenn er schläft, rückwärtslaufend das, was er durchlebt hat hier in der physischen Welt zwischen dem letzten Aufwachen und Einschlafen, noch einmal in geistiger Form, Art und Wesenheit durchlebt. Und wenn er das wache Vorstellungsleben nach dem Tode in wenigen Tagen in den Kosmos hinaus verloren hat, dann lebt er eben dasjenige durch, was er in einem Drittel des Lebens, im Schlafe, durchgemacht hat. Deshalb habe ich auch immer beschreiben müssen, wie der Mensch ein Drittel seines Erdenlebens dazu braucht, um dann das zu durchleben, was er in den Nächten durchgemacht hat. Es gleicht das ja im wesentlichen natürlich dem Tagesleben, aber es wird auf andere Art durchgemacht, und der Mensch durchlebt dann als zweiten Zustand nach dem Tode dieses Rückwärtsgehen, wo er eigentlich das ganze Leben in einem Drittel der Zeit noch einmal bis zur Geburt durchmacht. Dann ist er bei der Geburt wieder angekommen, und dann lebt er sich in jenen Zustand ein, den ich Ihnen in einem andern Zusammenhange hier schon beschrieben habe: er lebt sich ein in denjenigen Zustand, wo sich alle Weltanschauung für ihn wesentlich ändert.
Cite:
GA 224/1923-05-23/p019 · edition original