Die Schaffung eines Michael-Festes aus dem Geiste heraus Die Rätsel des inneren Menschen
Was wir da tun, können wir allerdings nur nach Maßgabe desjenigen tun, was wir im Erdenleben hier vollbracht haben, und auch das zeigt sich uns in einem gewissen Sinne in dem Verhältnis des Schlafes zum Wachen. Denken Sie doch nur einmal, wie chaotisch der Traum ist! Ich verkenne nicht die wunderbar bunte Mannigfaltigkeit und das Großartige des Traumes, aber wir müssen uns doch darüber klar sein, daß der Traum gegenüber dem Erdenleben, in dessen Bilder er sich kleidet, chaotisch ist. Sie brauchen sich ja nur an jenen Traum zu erinnern, den ich früher einmal zur Illustration angeführt habe — Vo/kelt erzählt diesen Traum nach einer württembergischen Erzählung, aber solche "Träume kennen wir ja -, wo eine Stadtfrau ihre Schwester, die die Frau eines Pfarrers ist, auf dem Lande besucht. Sie träumt, daß sie mit ihrer Schwester zusammen in die Kirche zur Predigt geht. Aber es ist ihr da ganz sonderbar, denn, nachdem das Evangelium gelesen ist und der Pastor auf die Kanzel steigt, da fängt er nicht an zu predigen, sondern da hebt er statt der Arme die Flügel und fängt schließlich an zu krähen wie ein Hahn! — Oder denken Sie an einen andern Traum, wo eine Frau sagt, sie habe eben geträumt, wie sie darüber nachgedacht habe, was sie Gutes ihrem Manne kochen solle, und da sei ihr gar nichts anderes eingefallen, bis ihr zuletzt der Gedanke gekommen sei, daß sie noch eine alte gesalzene Großmutter oben auf dem Boden habe, aber die sei noch sehr zähe. — So chaotisch kann der Traum wirken, merkwürdig chaotisch. Aber was heißt denn das: der Traum wirkt so chaotisch? Was heißt das eigentlich?
Cite:
GA 224/1923-05-23/p022 · edition original