Die Schaffung eines Michael-Festes aus dem Geiste heraus Die Rätsel des inneren Menschen
Aber heute ist es ja wirklich so, daß das Geistige in einer sonderbaren Weise in der Welt aufgenommen wird. Womit ich begonnen habe, damit darf ich vielleicht auch mit ein paar Worten schließen. Ich mußte längst hinweisen darauf, wie, ausgehend von einer sehr untergeordneten freimaurerischen Seite und dann aber wiederholt in allerlei astrologischen Werken, aufgegriffen von allen Gegnern seit längerer Zeit, der Satz in die Welt gesetzt worden ist: Geistige Feuerfunken seien in das Goetheanum in Dornach genug hineingeflogen; es werde die Zeit kommen, wo der physische Feuerfunke in dieses Goetheanum hineinfliegen wird. — Die Leute haben es durch zwei Jahre geschrieben. Das ist die Art und Weise, wie heute dasjenige, was wirklich aus dem Geiste heraus geschöpft wird, in der Welt empfangen wird! Demgegenüber muß es Menschen geben, welche mit dem Sich-Hineinversetzen in den Geist völlig Ernst machen können. Ernst machen kann man nicht durch das Reden vom Geist allein, sondern durch ein solches Reden vom Geist, das auch wirklich den Geist unter uns Menschen verbreiten kann. Eine solche Verbreitung des Geistes wäre es, wenn wir schafflend würden aus dem Geiste, wie alte Zeiten schaffend wurden aus dem Geiste. Ich habe des öfteren über das Weihnachtsfest, das Osterfest, das heißt über alte Feste unter Ihnen sprechen dürfen. Es ist schön, den Geist der alten Feste herauszuholen aus den Zeitenläuften. Aber ich möchte doch, daß man nicht nur versteht, wenn durch Anthroposophie das an die Oberfläche gebracht wird, was alte Weisheit gedacht hat, sondern ich möchte, daß man auch verstehen kann dasjenige, was aus dem Geist unserer unmittelbaren Gegenwart als Aufforderung zu uns spricht. Es genügt nicht, bloß die Evangelien als Ausdruck des Christentums anzusehen, denn Christus hat gesagt: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeiten.» Er ist da! Verstehen wir seinen Geist, seine Worte, dann können wir jeden Tag aus diesem Geiste heraus sprechen. Was die Alten schaffend gemacht hat aus einer Weltenweisheit, was gemacht hat, daß wir heute noch den tiefen Sinn der Feste enthüllen können, das lebt doch unter uns. Wir wollen doch ganze Menschen sein. Dann müssen wir aber auch als ganze Menschen geistig schaffen können. Dann müssen wir nicht nur nachdenken können über den Sinn der alten Feste, dann müssen wir selber dadurch sozial schöpferisch werden können, daß wir aus dem Jahreslauf heraus Feste-schöpfend werden können.
Cite:
GA 224/1923-05-23/p051 · edition original