Unser Gedankenleben in Schlafen und Wachen und im nachtodlichen Dasein
Aber Sie wissen aus früheren Vorträgen, die ich hier gehalten habe, daß diese Tätigkeit, die wir im unbewußten Schlafen zubringen, nicht ohne Erlebnisse ist. Das Ich und der astralische Mensch machen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen ihre Erlebnisse durch, die nur nicht ins Bewußtsein hereinleuchten. Und wenn man näher zusieht, dann findet man, daß jene unbewußten Kräfte, die zwischen dem Einschlafen und Aufwachen wirken, auch im Wachzustande weiterleben. Sie leben auch da, man möchte sagen, ein Schlafleben weiter fort. Sie wirken in unsere gesamte Willenstätigkeit, die wir nicht klarer vor dem gewöhnlichen Bewußtsein haben als die Schlafzustände. Sie wirken in einem großen Teil unseres Gefühlslebens weiter, das eine Art Traumesdasein bildet. Gerade wenn wir auf dasjenige, was aus unserem tiefsten Wesen, aus dem Grundwesen herauskommt, hinschauen, so müssen wir auch während des wachen Tageslebens auf etwas Unbewußtes schauen. Und man kommt dann durch geisteswissenschaftliche Betrachtung darauf, daß dasjenige, was im Menschen das Wirksame ist zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, weiter fortwirkt im Wachen, fortwirkt als Ich und astralischer Mensch, daß diese aber nicht in die Sphäre des gewöhnlichen Bewußtseins eintreten, sondern nur in ihren Wirkungen, in den Willenswirkungen, in den Gemütswirkungen auftreten. Dadurch bekommt dasjenige, was eigentlich im vollen wachen Bewußtsein vorliegt, das Gedankenleben, noch ein besonderes Gesicht. Und gerade dieses besondere Gesicht wird uns begreiflich, wenn wir jenes Dasein ins Auge fassen, welches der Mensch nicht auf der Erde zubringt, welches er zubringt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
Cite:
GA 224/1923-06-21/p005 · edition original