{"corpus":"steiner","locus":"GA 224/1923-06-21/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Daher sind durchaus von dem, der in diese Dinge Einsicht hat, Erzählungen zu bestätigen, wie etwa die folgende: Da waren einmal zwei Universitätsstudenten. Der eine war Philologe und verstand nichts vom Rechnen - ich muß das hinzusetzen -, verstand gar nichts vom Rechnen. Der andere war Mathematikstudent. Nun, man hat ja so die Erfahrung, daß, wenn es zu gewissen Partien des Mathematikstudiums kommt, man schon ein wenig über den Problemen schwitzen muß. Bei der Philologie geht es meistens leichter. Und so war es denn bei diesen zwei Studenten, die, wie das bei Studenten schon vorkommt, das Zimmer teilten, auch zusammen schliefen, so, daß, als sie eines Abends mit ihren Vorbereitungen zum Examen zu Ende waren, der Philologiestudent sehr selbstzufrieden war, der Mathematikstudent hingegen gar nicht, weil er ein Problem, das er für eine schriftliche Aufgabe hätte lösen sollen, nicht lösen konnte. Er legte sich höchst unbefriedigt zu Bett, und es stellte sich die merkwürdige Tatsache heraus: Zu einer bestimmten Stunde wird der Philologiestudent aufgeweckt, er sieht, wie der Mathematikstudent aufsteht, zum Schreibtisch hingeht und weiterbrütet, auch schreibt, längere Zeit schreibt, und dann sich wieder ins Bett legt und schläft. Am nächsten Tage, als beide aufstanden, sagte der Mathematikstudent: Wir haben doch gestern gar nicht gekneipt, ich habe heute einen furchtbaren Kater. - Da sagte der andere: Das ist auch gar nicht zu verwundern, wenn du um drei Uhr nachts aufstehst und stundenlang rechnest, daß du dann einen wirren Kopf hast am nächsten Morgen. — Da sagte der erste: Ich bin nicht aufgestanden! - Er wußte absolut nichts davon, daß er aufgestanden wäre. Nun schauten sie nach, und siehe da, er hatte seine Aufgabe gelöst, er wußte aber gar nichts davon. Solche Dinge sind durchaus nicht bloße Märchen. Ich wähle ein Beispiel, das der Literatur angehört, aus dem Grunde, damit es nachkontrolliert werden kann. Ich könnte Ihnen viele ähnliche Dinge ja erzählen. Es kommt mir gar nicht auf diesen einzelnen Fall an, es kommt mir vielmehr darauf an, daß dies tatsächlich eine Realität ist: wenn das Bewußtsein nicht vorhanden ist - ich sage ausdrücklich, der Betreffende wußte nichts davon -, werden der physische Leib und Ätherleib gewissermaßen durch Püffe von außen bearbeitet, und der Ätherleib arbeitet im physischen Leib allein an der Fortsetzung der Aufgabe.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Unser Gedankenleben in Schlafen und Wachen und im nachtodlichen Dasein","site_heading":null,"date":"1923-06-21","location":null,"word_count":374,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/224/1923-06-21/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/224/1923-06-21/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/224/1923-06-21/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}