Unser Gedankenleben in Schlafen und Wachen und im nachtodlichen Dasein
Nun ist der Mensch im gegenwärtigen Erdenleben nicht so, daß er verfolgen kann, was sein Ich und sein astralischer Leib da erleben, wenn sie vom Äther- und physischen Leib getrennt sind und sich vom gewöhnlichen Leben nur den Willen und einen Teil des Gefühls mitnehmen. Denn dieses Erleben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen geschieht in der Tat in einer ganz andern Welt, geschieht in einer geistigen Welt, geschieht in einer Welt, in der nicht die Umgebung in den Naturreichen, in dem Mineralreich, Pflanzenreich ist, sondern in der die Umgebung die höheren Hierarchien sind, in der die Umgebung eine Welt von geistigen Wesenheiten, von geistigen Geschehnissen ist. Aber insofern der Mensch im Erdenleben verweilt, ist es durchaus so, daß er noch nicht genügend entwickelt ist, um alles dasjenige, was er da erlebt mit seinem Ich und astralischen Leib vom Einschlafen bis zum Aufwachen, in das Bewußte und Selbstbewußte zu verfolgen. Es bleibt unbewußt, aber ist deshalb nicht weniger lebendig als das Bewußte. Es wird durchgemacht, es ist etwas, was dann, nachdem es durchgemacht ist, zum inneren Gehalt des Menschen gehört. Wir wachen auch an jedem Morgen so verändert auf, wie wir verändert worden sind durch die Nacht. Wir wachen nicht etwa bloß in demjenigen Zustande auf, bis zu dem wir gekommen sind bis zum Abend vor dem Einschlafen, sondern wir wachen in dem Zustande auf, zu dem uns das Schlafesleben gemacht hat.
Cite:
GA 224/1923-06-21/p011 · edition original