Unser Gedankenleben in Schlafen und Wachen und im nachtodlichen Dasein

GA 224/1923-06-21/p015 ·1923-06-21 · original (original)
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Was für die menschliche Ordnung auf Erden gilt, ist schon einmal so, daß die Naturforschung gut reden hat, in der Welt finde sich nur Kausalität, nur Ursächlichkeit, nur die Begründung des Nachfolgenden aus dem Vorhergehenden, weil der Mensch in seinem wachen Leben nur diese Strömung sieht, nur diese Strömung wahrnimmt. Aber eine andere Strömung ist auch in der Wirklichkeit darinnen, nur bleibt sie dem Menschen für das Erdenbewußtsein unbewußt. Der Mensch durchlebt aber diese moralische Weltenordnung jede Nacht zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Da werten wir die Dinge moralisch, namentlich im Zusammenhang mit unserem eigenen Menschenwert. Und das machen wir jede Nacht beziehungsweise jedesmal zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen für die vorangegangene Wachensperiode durch. Und wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, dann machen wir rückwärtsverlaufend durch die letzte Nacht, vorletzte Nacht, drittletzte Nacht, bis zur ersten Nacht, in der wir uns nach der Geburt zum erstenmal bewußt geworden sind, etwa ein Drittel des Erdenlebens, weil wir ein Drittel des Erdenlebens verschlafen haben. Vor uns ist versunken der physisch-ursächliche Weltenverlauf, vor uns ist aufgestiegen dasjenige, was Götter und Geister über diesen Weltenverlauf denken, fühlen, wollen. Aber wir hängen zunächst noch zusammen mit dem Kolorit, mit der Färbung, welche das Erdenleben alldem gegeben hat, weil wir es durchmachen müssen in der Form, wie wir es durchlebt haben während des Erdenlebens. Ungefähr ein Drittel, weil wir ein Drittel verschlafen, brauchen wir zu diesem Rückwärtsdurchleben, das dann eben so verläuft, wie ich es zum Beispiel in meiner «’Theosophie» beschrieben habe, wo ich das Seelenland, die Seelenwelt beschrieben habe.

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Cite: GA 224/1923-06-21/p015 · edition original