Unser Gedankenleben in Schlafen und Wachen und im nachtodlichen Dasein

GA 224/1923-06-21/p016 ·1923-06-21 · original (original)
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Wir müssen, ehe wir in eine Welt eintreten, die rein geistig ist, erst alles dasjenige durchleben, was wir auf der Erde unbewußt in den Schlafzuständen durchlebt haben. Damit schulen wir unser Bewußtsein heran für das eigentliche geistige Erleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und es ist zu gleicher Zeit ein Freiwerden vom irdischen Leben, dieses Rückwärtsdurchleben des Erdenlebens. Wir werden nicht früher in unserem Bewußtsein so frei, daß dieses Bewußtsein sich zwischen den Geistern der höheren Welten bewegen kann in vollständig ihm angemessener Weise, bis wir uns durch dieses Rückwärtserleben eben freigemacht haben. Dann sind wir ungefähr wieder am Ausgangspunkt unseres Lebens für die höhere Welt angelangt. Und dann verläuft das weitere Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt so, daß es ein rein geistiges Erleben ist. Ebenso wie wir hier zwischen physischen Wesen und physischen Geschehnissen leben, leben wir dann in der geistigen Welt zwischen geistigen Wesen und geistigen Geschehnissen, zwischen denjenigen geistigen Wesenheiten und ihren Taten, die niemals auf die Erde heruntersteigen, zwischen denjenigen Wesenheiten, die als Menschen auf die Erde heruntersteigen, die früher durch die Pforte des Todes gegangen sind als wir, oder die uns nachfolgen. Wir treffen eben mit allen den Menschen wiederum zusammen, mit denen wir Gemeinschaft gehabt haben während des Erdenlebens. Und diese Gemeinschaft ist ja eine sehr ausgedehnte. Denn dadurch, daß wir das Schlafesleben durchleben, wird eingeschlossen in diese Gemeinschaft auch alles das, was wir nur in Andeutungen mit den Menschen während des Erdenlebens durchmessen haben. Daß wir in jedem Schlafzustande schon darinnenstehen in der geistigen Welt, aber noch als Erdenmensch die Erdenereignisse rückwärts erleben, gerade diese Tatsache unterscheidet wiederum dieses allnächtliche irdische Erleben des Menschen von demjenigen, das er dann durchmacht, wenn er durch die Pforte des Todes durchgegangen ist.

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Cite: GA 224/1923-06-21/p016 · edition original