Unser Gedankenleben in Schlafen und Wachen und im nachtodlichen Dasein
Ich möchte, um dieses zu veranschaulichen, folgendes sagen. Die anthroposophische Bewegung ist durch die Zeitverhältnisse, die ich in Dornach jetzt vor kurzem charakterisiert habe, eine Zeitlang Hand in Hand gegangen mit der sogenannten theosophischen Bewegung. Sie hat niemals Lehren der theosophischen Bewegung aufgenommen, sondern nur ihre Zuhörer innerhalb der Theosophischen Gesellschaft gefunden. Aber es gibt ja auch Lehren, die als solche der theosophischen Bewegung bekannt sind. Oberflächlinge verwechseln die Theosophie mit der Anthroposophie. Aber trotzdem die Zahl dieser Oberflächlinge eine sehr große ist, muß Ihnen doch klar sein der große, tiefgehende Unterschied. Diesen tiefgehenden Unterschied möchte ich noch durch einige Bemerkungen charakterisieren. Versuchen Sie einmal, so recht zu verfolgen, wie eigentlich gerade theosophische Lehren arbeiten. Sie reden ja auch von den Gliedern der menschlichen Natur, Gliedern der menschlichen Wesenheit, sogar, was die unteren Glieder betrifft, mit denselben Namen: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib. Aber gehen Sie dann auf Beschreibungen ein, so werden Sie finden: Der physische Leib, das ist der dichte Leib, dann kommt der Ätherleib, etwas dünner, aber doch so eine Art Nebel, dann kommt der astralische Leib, wieder dünner, ein dünnerer Nebel, und dann muß man furchtbar klettern, es wird aber immer nur ein dünnerer und dünnerer Nebel. Sehen Sie sich an, wie wenig sich diese Literatur einläßt auf das, was in der anthroposophischen Literatur, ich möchte sagen, schon den Abc-Schützen zugemutet wird, sich den Ätherleib nicht als etwas Dünneres vorzustellen, sondern als etwas Entgegengesetztes vom physischen Leib. So wie der physische Leib den Raum ausfüllt, nimmt der Ätherleib etwas weg. Physische Materie erfüllt den Raum, Äthersubstanz saugt den Raum aus. Da gibt es nichts von der Art, daß man immer in dünnere Nebel kommt, sondern da wird wirklich der Weg zur geistigen Betrachtung angetreten. Das stört viele sogar, denn sie haben hübsche Möglichkeiten, an die physische Welt anzuknüpfen in diesen immer dünner werdenden Nebeln, man kann sich das Ganze durch physische Bilder vorstellen, so daß man ganze Systeme, ganze Weltanschauungen auf diese theosophische Art bilden kann.
Cite:
GA 224/1923-06-21/p022 · edition original