Unser Gedankenleben in Schlafen und Wachen und im nachtodlichen Dasein
Dann erst treten wir ein in die wirkliche anthroposophische Anschauung, wenn wir die Gedanken als Realitäten empfinden, sie auch als Realitäten erleben. Hier liegt auch dasjenige, dem oftmals mit einem Einwande begegnet wird. Oberflächlinge sagen auch: Diese ganze anthroposophische Weltanschauung kann auch auf Einbildung beruhen, der Mensch unterliegt Selbstsuggestionen. Man sagt als Beispiel, daß der Mensch manchmal so sensitiv ist, daß er beim bloßen Gedanken des Limonadetrinkens schon von der Empfindung, die man eben beim wirklichen Limonadetrinken auch haben kann, ausgefüllt wird. Es ist richtig, es gibt so sensitive Menschen, die nur an eine Limonade zu denken brauchen und sie haben den Limonadengeschmack im Munde. Wenn das als Einwand entgegengebracht wird, so ist das richtig, aber es soll jemand sagen, ob er sich durch den bloßen Gedanken an die Limonade den Durst gelöscht hat! Das hat er eben nicht getan. In die Realität treten die bloßen Gedanken nicht über. Solange allerdings Anthroposophie bloß Gedanke bleibt, gleicht sie dem, was man an einer vorgestellten Limonade hat. Aber das braucht sie nicht zu bleiben, denn sie ist aus der geistigen Realität heraus geschöpft. Sie wirkt nicht bloß wie ein Gedanke, sondern sie wirkt, wie auf den physischen Leib die äußere Realität der Stoffe wirkt. Sie durchdringt, sie durchpulst das Willens- und das Gefühlsleben des Menschen. Sie wird Realität im Menschen. Das ist es, worauf es ankommt.
Cite:
GA 224/1923-06-21/p025 · edition original