II. Das Mysterium des Kopfes und das des unteren Menschen

GA 225/1923-05-06/p029 ·1923-05-06 · original (original)
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Wenn man sich einfach vorstellt, der Mensch ist ein leibliches Wesen und alles hängt einseitig nach Ursache und Wirkung zusammen, da findet man diesen Punkt nicht. Wenn man sich vorstellt, der Mensch ist nur ein geistiges Wesen und alles ist von oben herunter durch göttliche Welten determiniert, dann ist wiederum nichts zu machen, denn dann muß der Mensch das ausführen, was von den Göttern determiniert ist. Wenn man aber weiß: Da ist ein Gleichgewichtspunkt, da ist der Mensch gottbestimmt nach oben, materiebestimmt nach unten, und mit dem einen Punkt, der nun nachweisbar ist in seinem mittleren Menschen, mit dem kann er anfangen in der Welt, was er nur aus sich heraus anfangen will - wenn Sie diese dreifache Konstitution des Menschen haben, dann finden Sie in dem mittleren Teil wissenschaftlich streng nachweisbar die Tatsache der menschlichen Freiheit. Das kann man so sagen, das ist so wissenschaftlich, wie irgendeine quadratische Gleichung gelöst werden kann oder ein Differentialquotient gesucht werden kann oder irgend etwas. Es ist etwas, was nach den strengen Regeln der Wissenschaft behandelt werden kann. Also Freiheit ist das Ergebnis einer wirklichen Kenntnis der Konstitution des Menschen, weil es im Menschen einen Punkt gibt, der nach oben hin und nach unten so unabhängig ist, wie von der Last rechts und links das Hypomochlion der Waage unabhängig ist. Sie können die Waage überall herumtragen, können diesen Punkt ersetzen, wie ich Ihnen erzählt habe, durch was Sie wollen. So können Sie auch einen Punkt im Menschen finden, wo die Naturkausalität, die Ursachen- und Wirkungszusammenhänge aufhören, wo auch die Zusammenhänge von oben aufhören, die Determination durch die geistige Welt, wo sich beide das Gleichgewicht halten. Da, in diesem Hypomochlion der menschlichen Natur ist verbürgt die menschliche Freiheit. Und sie ist wissenschaftlich streng nachweisbar, wenn man eine wahre Physiologie und eine wahre Psychologie hat, nicht dasjenige, was man heute hat und was ja, wie ich Ihnen schon gezeigt habe, sich zum Dilettantismus im Quadrat zusammensetzt in der Psychoanalyse.

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Cite: GA 225/1923-05-06/p029 · edition original