IX. Drei Perspektiven der Anthroposophie Die seelische Perspektive
Der Mensch gibt sich gewissermaßen mit seinem Intellekt ganz an seinen physischen Leib hin. Wenn es dem Menschen gelingt, sich wirklich ganz an den physischen Leib hinzugeben mit seinem Intellekt, dann wird dieser Intellekt von einer hohen Vollkommenheit. Wenn wir unser Inneres tätig sein lassen, dann tapsen wir immer ab und zu noch durch allerlei Gefühle und Triebe, die wir haben, durch Vorurteile, durch Sympathien und Antipathien, dann tapsen wir so in den Intellekt hinein. Da machen wir ihn unvollkommen. Wenn wir aber ganz trockene, nüchterne, kalte Naturen werden, wenn wir, um im Hamerlingschen Sinne zu reden, die männliche Seelenlosigkeit des Billionärs vereinigen mit der weiblichen Seelenlosigkeit der Nixe, wie Hamerling eine solche Verbindung in seinem «Homunkulus» dargestellt hat, und dadurch die Fähigkeit bekommen, so zu denken, wie wir nach Maßßgabe unseres physischen Leibes denken müssen, dann ist eine relative Vollkommenheit unserer Intellektualität in diesem Zeitalter gerade möglich. Dann lernen wir so denken, daß in uns gewissermaßen der Intellekt sich selber bewegt, daß der Intellekt in gewissem Sinne ein Automat wird, in einer relativ höchsten Vollkommenheit spielt.
Cite:
GA 225/1923-07-21/p009 · edition original