Erster Vortrag
Im gewöhnlichen Leben kann man sich nur vorstellen, daß man Wege macht, die im Raume liegen. Aber der Raum hat keine Bedeutung für das Geistig-Seelische, der Raum hat nur eine Bedeutung für das Physisch-Sinnliche. Und wir müssen uns vorstellen, daß wir, wenn wir im geistig-seelischen Zustande sind, auch in der Zeit Wege machen, daß wir also dasjenige, was wir, ich möchte sagen, als Davonläufer aus den Himmeln mit dem physischen Leibe abgegangen sind, nach dem Tode wiederum zurückgehen müssen. Allerdings, wir gehen es dreimal so schnell zurück, weil es sich durch die Erlebnisse ausgleicht, die wir während der nächtlichen Schlafzustände gehabt haben. So sind wir — Jahrzehnte vielleicht nach unserem Tode - wiederum zum Ausgangspunkte zurückgekommen, aber bereichert jetzt in unserer Seele mit alledem, was wir als Erdenmenschen durchgemacht haben, nicht nur bereichert mit dem, was uns da als eine Erinnerung bleibt. Trotzdem es mit dem Ätherleib fortgegangen ist, bleibt es uns als eine Erinnerung, nicht nur mit dem bereichert, was wir im Erdenbewußtsein durchgemacht haben, sondern auch mit dem bereichert, was wir aus der vollmenschlichen Wesenheit heraus unbewußt während der Schlafzustände über unseren Menschenwert selber urteilen. So ziehen wir, je nachdem wir gelebt haben, nach längerer oder kürzerer Zeit, nach Jahrzehnten etwa in die Geistwelt ein, aus der wir herausgeschritten sind, aber nur mit dem Bewußtsein herausgeschritten sind. Eigentlich sind wir am Ausgangspunkte stehengeblieben und haben gewartet, bis sich uns die Erdenlaufbahn des physischen Leibes als erfüllt erweist und wir wiederum zurückkehren können zu demjenigen, was wir vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis waren.
Cite:
GA 226/1923-05-16/p026 · edition original