Zweiter Vortrag
Sie können ermessen, wie da der Mensch, da er eigentlich immer seine nächtlichen Erlebnisse durchmacht, auf sich selbst zurückgewiesen ist. Beachten Sie nur das einzige, was während des Erdenlebens aus den Schlafzuständen heraufspielt, die Träume. Diese Träume sind das allerwenigste von dem, was der Mensch im Schlafe erlebt. Aber das andere bleibt eben unbewußt. Die Träume nur spielen bewußt herauf. Aber diese Träume, so interessant, so mannigfaltig, von so buntem Farbenreichtum sie auch sind, man muß doch sagen, sie stellen etwas dar, womit der Mensch ganz allein auf sich angewiesen ist. Denken Sie nur einmal, wenn eine Anzahl von Menschen in demselben Raume schläft, so kann doch jeder seine eigenen Träume haben. Und wenn die Menschen dann sich ihre Träume erzählen, Menschen, die in demselben Raume geschlafen haben, so werden sie sich etwas erzählen, wie wenn sie in ganz verschiedenen Welten gewesen wären. Der Mensch ist während des Schlafes ganz mit sich allein; er hat seine eigene Welt im Schlafe. Und erst dadurch, daß wir unseren Willen in unseren Organismus einschalten, haben wir dieselbe Welt in demselben Raum mit den andern Menschen zusammen. Würden wir immer schlafen, so hätten wir jeder unsere eigene Welt.
Cite:
GA 226/1923-05-17/p005 · edition original