{"corpus":"steiner","locus":"GA 226/1923-05-17/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich schildere Ihnen dies aus dem Grunde, weil ich Ihnen dadurch andeuten will, daß der Tote, trotzdem er eigentlich in dem Elemente lebt, welches dasjenige des Schlafes ist, trotzdem weite Interessen hat und die Welt schon überschaut. Aber wir können ihm dabei außerordentlich zu Hilfe kommen. Und es ist zum Beispiel ein wesentliches Zuhilfekommen den Toten gegenüber, wenn wir in aller Lebendigkeit an sie denken, wenn wir namentlich solche Gedanken den Toten schicken, welche in einer recht anschaulichen Form dasjenige darstellen, was wir mit den Toten erlebt haben. Abstrakte Vorstellungen verstehen die Toten nicht. Wenn ich aber den Gedanken fasse: Da war die Straße zwischen Kristiania und einem Nachbarort; da gingen wir. Der andere Mensch, der jetzt gestorben ist, der ging neben mir. Ich höre noch heute, wie er dazumal sprach. Den Klang seiner Stimme höre ich. Ich versuche mir zu vergegenwärtigen, was er für Bewegungen mit den Armen machte, was er für Bewegungen mit dem Kopfe machte. - Wenn man sich das so ganz gegenständlich lebhaft vorstellt, was man mit dem Toten zusammen erlebt hat, und dann diese Gedanken zu dem Toten hinschickt, den man sich in einem geläufigen Bilde vor die Seele rückt, dann schwebt oder strömt gewissermaßen ein solcher Gedanke zu dem Toten hin. Und der Tote empfindet das wie ein Fenster, durch das er in die Welt hereinblickt. Dem Toten geht nicht nur das, was wir an ihn als Gedanken richten, dabei auf, sondern eine ganze Welt geht ihm dabei auf. Es ist wie ein Fenster, durch das er in unsere Welt hereinblickt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1923-05-17","location":null,"word_count":257,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/226/1923-05-17/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/226/1923-05-17/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/226/1923-05-17/p010"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}