Fünfter Vortrag

GA 226/1923-05-20/p006 ·1923-05-20 · original (original)
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Bedenken Sie nur einmal das erste Kindesalter bis zum Zahnwechsel hin und die große Veränderung, die jedem unbefangenen Beobachtenden auffallen muß, die ich auch hier öfters charakterisiert habe, die mit dem Menschen vorgeht, wenn er den Zahnwechsel durchmacht. Der Leib macht den Zahnwechsel durch, die ganze Seelenverfassung des Kindes wird eine andere. Dann wiederum ist eine Lebensepoche bis zur Geschlechtsreife. Wir wissen alle, daß mit der körperlichen Entwickelung in diesem Zeitalter auch die geistig-seelische in Abhängigkeit einhergeht. Und wir bemerken auch für das spätere Lebensalter bis in die Zwanzigerjahre hinein, wenn wir nur unbefangen genug dazu sind, die Abhängigkeit des seelisch-geistigen Wesens von dem Körperlichen, wenn auch heute in der Zeit der Jugendbewegung — wir sagen es ohne einen abträglichen Ton — gerade bei der Jugend von dieser Abhängigkeit nicht mehr stark und gern gesprochen wird. Man denkt natürlich, man ist, wenn man so das sechzehnte, siebzehnte Lebensjahr erreicht hat, eben eine junge Dame, ein junger Mann, vollentwickelt, und wenn man dann besondere geistige Fähigkeiten sich zuschreibt, schreibt man mit einundzwanzig Jahren Feuilletons. Aber jedenfalls, man möchte gern verwischen, daß für diese Lebensalter doch noch eine sehr starke Abhängigkeit des Seelisch-Geistigen vom Körperlichen vorhanden ist. Auf jeden Fall aber hört für den heutigen Menschen in einem gewissen Lebensalter diese Abhängigkeit doch mehr oder weniger auf. Der Mensch wird in den Zwanzigerjahren eben ein Erwachsener. Und dann fühlt er sich nicht mehr in der Weise von dem Körperlichen abhängig, wie sich abhängig fühlen müßte, wenn es diese Zustände mit vollem Bewußtsein durchmachte, das Kind vom Zahnwechsel, vom Heranreifen des Zahnwechsels, wiederum vom Heranreifen zur Geschlechtsteife und so weiter. Es war noch ein Gefühl in verhältnismäßig nicht weit zurückliegenden Zeitaltern von diesem Heranreifen des Menschen vorhanden, indem man deutlich unterschieden hat, daß der Mensch anders behandelt werden müsse, wenn er die sogenannte Lehrzeit durchmacht, die Gesellenzeit, und die Meisterzeit kam ja verhältnismäßig erst ziemlich spät.

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