{"corpus":"steiner","locus":"GA 226/1923-05-20/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das war anders geworden, als die Menschheit dann, die zivilisierte Menschheit der damaligen Zeit, übertrat in das nächste Kulturzeitalter, das ich in meiner «Geheimwissenschaft» das urpersische genannt habe. Da konnten die Menschen diese Abhängigkeit ihres physischen Leibes von dem Irdischen in den Fünfzigerjahren nicht mehr empfinden. Aber dafür empfanden sie noch in den Vierzigerjahren, vom etwa zweiundvierzigsten, dreiundvierzigsten Jahre bis zum neunundvierzigsten, fünfzigsten Lebensjahre eine andere Beeinflussung durch das Älterwerden ihres physischen Leibes. Sie machten nämlich in dieser Zeit in einer intensiven Weise den Jahreslauf mit. Sie fühlten an ihrem Leibe Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ihr Leib bekam ein sprießendes, sprossendes Wesen im Frühling, Sommer, bekam wiederum ein Wesen des Niederganges im Herbst und im Winter. Der Mensch lebte den Jahreslauf mit, die Luftänderungen. Und mit diesem Wahrnehmen der Luftänderungen, des Jahreslaufes war etwas anderes verbunden. Der Mensch fühlte dadurch, wie sein Sprechen etwas wurde, was eigentlich nicht mehr ihm gehörte. So wie man in den Fünfzigerjahren früher gefühlt hat, daß einem eigentlich der ganze physische Leib nicht mehr gehört, daß er mehr oder weniger der Erde gehört, so fühlte man in der urpersischen Zivilisationsepoche, wie der Leib eigentlich auch mit dem, daß er die Sprache hervorbringt, dem umliegenden Volke angehört, der Umgebung angehört. Der Angehörige der urindischen Kultur, wenn er fünfzig Jahre alt geworden war, sagte gar nicht mehr: Ich gehe -, wenn er seine eigene Empfindung aussprach, sondern er sagte: Mein Leib geht. Er sagte nicht: Ich gehe zur Türe herein -, sondern er sagte: Mein Leib trägt mich zur Türe herein. - Denn er empfand seinen Leib als etwas der Außenwelt Verwandtes, der Erde Verwandtes. Und der Angehörige dieser persischen späteren Zivilisation im fünften, sechsten Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha, fühlte, daß die Sprache sich selber spricht, daß sie etwas ist, was er mit seiner ganzen Umgebung gemein hat. Man lebte dazumal nicht so international, sondern viel mehr im Volksgefüge darinnen, über die ganze Erde hinüber. Man fühlte, wie einem die Sprache fremd wurde, wie gewissermaßen: Es spricht in einem — gesagt werden konnte, wenn man seine wirklichen Empfindungen ausdrückte.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1923-05-20","location":null,"word_count":345,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/226/1923-05-20/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/226/1923-05-20/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/226/1923-05-20/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}