Fünfter Vortrag
Nun war es aber so, daß in der ägyptisch-chaldäischen Kultur der Mensch bis so zu seinem zweiundvierzigsten, dreiundvierzigsten Jahre diese Abhängigkeit seiner Gedanken von den Himmelsmächten fühlte. Dann trat für ihn nicht mehr etwas ein, was ihm neu war im menschlichen Lebenslauf. Das aber hatte auch schon der Urperser, daß er sein Denken wie von den Sternen ihm eingegeben fühlte; dazu bekam er in den Vierzigerjahren dann dieses Verhältnis zur Sprache, das ich geschildert habe. Und ebenso hatte der Urinder vom fünfunddreißigsten Jahre an das Verhältnis zu den Sternenmächten. Daher war ihm die Astrologie etwas Selbstverständliches. Er bekam nur dazu in den Vierzigerjahren die Abhängigkeit der Sprache von der Umgebung. Und er bekam dazu in den Fünfzigerjahren das ganze Objektivwerden des physischen Leibes, das Schattenhaftwerden des physischen Leibes. Er gewöhnte sich gewissermaßen an das Sterben, weil das Sterben schon in den Fünfzigerjahren an ihn herantrat. Die Seele war nicht so verknüpft mit dem Leibe. Daher traten durch die äußeren Verhältnisse diese Veränderungen mit dem Leibe ein. Und das wurde wieder die Seele gewahr, das nahm die Seele wahr, erlebte die Seele mit. Dadurch lebte sich der Mensch, indem er älter und älter wurde, immer mehr und mehr in die Welt hinein.
Cite:
GA 226/1923-05-20/p013 · edition original