Fünfter Vortrag
Nun kam die griechisch-lateinische Zeit heran, die ja dauerte vom 8. vorchristlichen Jahrhundert bis in das 15. nachchristliche Jahrhundert hinein, denn da waren noch immer - in den Jahrhunderten vor dem 15. nachchristlichen Jahrhundert - die Nachklänge der griechisch-lateinischen Kultur in den zivilisierten Gegenden. Da war das Zeitalter herangerückt, wo der Mensch sich noch fühlte - wir machen uns heute nach der landläufigen Historie, die wir als eine vollständig unzulängliche Historie in der Schule aufnehmen, von diesen Veränderungen in der Menschheitsentwickelung gar keinen Begriff bis in die Dreißigerjahre hinauf abhängig von seinem physischen Leibe. Aber er fühlte sich jetzt, wenn wir zum Beispiel zum alten Griechen zurückschauen, nicht mehr abhängig von den Sternen, von dem Jahreslauf, nicht mehr abhängig von der Erde, aber er fühlte sich ganz in seinem physischen Leibe noch darinnenstecken. Der Grieche fühlte einen Einklang, eine Harmonie zwischen dem Seelisch-Geistigen und dem Physisch-Leiblichen, nur sonderte sich das Physisch-Leibliche nicht mehr von ihm ab. Da kam die Zeit heran, wo der Mensch so mit seinem physischen Leibe verbunden wurde, daß er nicht mehr dem physischen Leibe es überließ, den Weltenlauf in seiner geistigen Gesetzmäßigkeit mitzumachen, wo der Mensch ganz und gar mit seinem physischen Leibe verbunden war. Diese Zeit trat für die Menschheit erst mit dem 8. vorchristlichen Jahrhundert ein.
Cite:
GA 226/1923-05-20/p014 · edition original