Fünfter Vortrag
Vergleichen Sie nur einmal die Griechenzeit mit der urindischen Zeit. Mit der urindischen Zeit machte sich der Leib selbständig. Der Mensch wußte: Ich bin noch etwas außer meinem selbständig schalenhaft gewordenen Leibe. - Er konnte gar nicht auf den Gedanken kommen, daß der Tod irgend etwas wie ein Ende sei im Leben. Diesen Gedanken gab es während der urindischen Zeit gar nicht im Menschenleben der Erde. Nach und nach erst, und am stärksten im 8. vorchristlichen Jahrhundert, sagte sich der Mensch, er sagte es sich unbewußt in der Empfindung, rationalistisch denken konnte er allerdings über diese Dinge nicht, aber im Empfindungsleben, da war es vorhanden, daß er sich sagte: Mein Körper stirbt, aber ich bin ja mit meinem Seelisch-Geistigen eins mit meinem Leibe. - Er merkte keinen Unterschied mehr des Leiblichen vom Seelisch-Geistigen.
Cite:
GA 226/1923-05-20/p016 · edition original