Fünfter Vortrag
‚Aber der Mensch wäre niemals ein freies Wesen geworden, ein unabhängiges Wesen, wenn er nicht in seinen Körper hineingewachsen wäre in diesen Zeiten. Frei konnte der Mensch in der Entwickelung nur dadurch werden, daß sich ihm der Blick nach dem Vorirdischen verdunkelte, daß er gewissermaßen ganz verlassen in dem Hause seines physischen Leibes einmal auf der Erde stehen konnte. Dadurch glänzte und leuchtete sein selbständiges Ich auf. Denn das Aufleuchten dieses selbständigen Ichs kann gerade dadurch kommen, daß man ganz und gar in seinen physischen Leib hineinwächst. Wenn man in geistig-seelische Welten hinaufwächst, dann tritt das Ich zurück, dann geht man in das objektiv Geistig-Seelische auf. Ein freies Ich-Wesen konnte der Mensch nur werden, wenn ihm die Impulse der Götter gegeben waren, zusammenzuwachsen immer mehr und mehr mit seinem physischen Leibe. Dann aber mußte das Rätsel des Todes einmal auftreten, weil der physische Leib dem Tode verfallen mußte. Wenn die Menschen nicht auf eine andere Weise den Ausblick erhalten hätten, dann wäre über die Menschen auf der Erde die Überzeugung immer mehr und mehr gekommen: Wir sterben hin mit unserem physischen Leibe auch als Seelen. - Und wir wären heute allerdings schon angekommen, wenn nun nichts anderes eingetreten wäre, wenn der geradlinige Fortlauf der Geschichte sich nur vollzogen hätte, bei der allmenschlichen Überzeugung, daß mit dem Leibe sich auch die Seele ins Grab legt.
Cite:
GA 226/1923-05-20/p022 · edition original