{"corpus":"steiner","locus":"GA 226/1923-05-21/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ja, zum Ich kommt der Mensch auf natürliche Weise von selbst. Wenn er einfach in sich hineinschaut, kommt der Mensch in der neueren Zeit zum Ich von selbst. Um wiederum zu Gott zu gelangen, muß er aus vollem Bewußtsein heraus sich mit dem Mysterium von Golgatha verbinden und sich selber sagen: Der Christus in mir. - Die alten Menschen haben gesagt: Wir waren mit dem Christus und damit mit dem Vatergotte zusammen, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind. - Der Mensch mußte nun lernen zu sagen: Der Christus ist auf der Erde. Physisch war er während des Mysteriums von Golgatha auf der Erde. Geistig ist er seit dem Mysterium von Golgatha immerdar mit den Menschen vereinigt geblieben auf der Erde. - Das ist auch im Christentume enthalten, wenn davon geredet wird, daß der Christus den Menschen geoffenbart habe, das Himmelreich sei nahe herangekommen. Gerade an der Auffassung dieses Spruches zeigte es sich so recht, wie die Menschen eigentlich, auch wenn sie äußerlich gläubig sind, innerlich ungläubig sind. Denn denken Sie nur, was viele moderne Theologen über dieses nahe herangekommene Himmelreich sagen. Sie sagen: Nun ja, da war der Christus eben abhängig von dem Urteil seiner Zeit. Man hat geglaubt, daß in einem bestimmten Zeitpunkte die Erde viel geistiger werden wird, das ist ein Irrtum des Christus. —- Aber es ist ein Irrtum nicht des Christus, es ist ein Irrtum der Menschen. Die Menschen haben sich das so ausgelegt, als ob nunmehr, nachdem das Himmelreich heruntergekommen sein sollte, die Trauben zehnmal größer wachsen, die Früchte alle zehnmal mehr wachsen, und alles auf det Erde von Milch und Honig fließt. Das hat nur der Christus nicht gemeint, sondern der Christus hat vom geistigen Reiche gesprochen, und das ist gerade durch ihn nahe herbeigekommen. Man darf nicht sagen: Das ist ein Irrtum, was der Christus gesagt hat, und man muß heute anders denken -, sondern man muß sagen: Wie verstehe ich das, was der Christus gesagt hat?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1923-05-21","location":null,"word_count":325,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/226/1923-05-21/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/226/1923-05-21/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/226/1923-05-21/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}