{"corpus":"steiner","locus":"GA 227/1923-08-19/p053","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dann, wenn man auf diese Weise dasjenige, was man gerade durch erhöhte Kräfte ins Bewußtsein hereingebracht hat, wiederum ausschaltet, leeres Bewußtsein herstellt, dann bleibt dieses Bewußtsein nicht leer, denn dann tritt die zweite Stufe der Erkenntnis ein, die man im Gegensatze zu der imaginativen Erkenntnis die inspirierte Erkenntnis nennen kann. Da versetzen wir uns in die Möglichkeit, wenn wir solches leeres Bewußtsein nach solcher Vorbereitung errungen haben, daß sich uns, wie sonst für das Auge die sichtbare Welt, [für das Ohr] die hörbare Welt vor uns hinstellt, daß sich jetzt die geistige Welt vor unsere Seele hinstellt. Jetzt ist es nicht mehr das eigene Erleben, sondern es ist die auf uns ein“ dringende äußere geistige Welt, die sich nun vor uns hinstellt. Und wenn wir so stark sind, daß wir nicht nur einzelne Partien, die wir uns erarbeitet haben, ausschalten, sondern das ganze Lebenstableau auf einmal ausschalten können, so daß wir es kommen lassen können, wieder ausschalten können, so daß wir, nachdem wir das Lebenstableau gehabt haben, leeres Bewußtsein herstellen, nur wachen - dann tritt wiederum als erstes in dieses leere Bewußtsein herein das vorirdische Leben, das der Mensch zugebracht hat, bevor er durch die Empfängnis in einen irdischen Leib heruntergestiegen ist. Dies ist die erste wirkliche übersinnliche Erfahrung, die man macht nach Herstellung des leeren Bewußtseins: das eigene vorirdische Leben anzuschauen. Von diesem Momente an kennt man die Unsterblichkeit des Menschen von einer Seite her, die heute gar nicht betont wird. Heute spricht man immer nur von der Unsterblichkeit. Da lernt man gar nicht die Wirklichkeit kennen. Unsterblichkeit ist die Verneinung des Todes. Gewiß, die ist so wahr wie die andere Seite - wir werden darüber viel zu sprechen haben -, aber dasjenige, was man durch die Erkenntnis zuerst kennenlernt auf dem Wege, den ich nur skizzieren konnte, das ist nicht die Unsterblichkeit, die Negation des Todes, sondern die Ungeborenheit, die Negation der Geburt. Das Ungeborene ist dem Menschen ebenso wesenhaft wie die Unsterblichkeit. Und wenn man einmal wiederum verstehen wird, daß die Ewigkeit diese zwei Seiten hat, die Unsterblichkeit und die Ungeborenheit, dann wird man erst erkenntnismäßig wiederum eindringen können in das Dauernde, in das wahrhaft Ewige im Menschen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erste Schritte zur imaginativen Erkenntnis","site_heading":null,"date":"1923-08-19","location":null,"word_count":361,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/227/1923-08-19/p053","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/227/1923-08-19/p053"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}