Das Traumleben

GA 227/1923-08-22/p018 ·1923-08-22 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Die Menschen nehmen heute, wenn sie etwas wissen wollen, die irdischen Dinge und irdischen Vorgänge. Sie beobachten sie und schließen aus den Beobachtungen auf Naturgesetze. Sie machen wohl auch Experimente, um der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen, und lassen sich aus dem, was die Experimente ergeben, wiederum ihre Naturgesetze offenbaren. Und so kommt man auf eine bestimmte Art von Gesetzen, die man dann seine Wissenschaft nennt. Und dann blickt man hinaus in die Himmelsweiten. Man sieht in den Himmelsweiten, sagen wir, die wunderbaren Spiralnebel, sieht in diesen Spiralnebeln einzelne Weltenkörper entstehen und dergleichen. Man nimmt diese Dinge heute selbst durch die photographische Methode auf, die noch viel genauer die Sachen zeigt als die gewöhnliche Beobachtung durch das Teleskop oder dergleichen. Und was tut man dann, um Erkenntnisse zu gewinnen über dasjenige, was da in den räumlichen Himmelsweiten vor sich geht? Man nimmt die Naturgesetze der Erde, dasjenige, was man von der Erde aus geschlossen hat, was man da erexperimentiert hat, das nimmt man, und dann spekuliert man darüber nach, wie nach denselben Naturgesetzen sich solch ein Spiralnebel in Raumesfernen gebildet haben könnte. Man macht Hypothesen und Theorien über Weltentstehung und Weltuntergang, um dasjenige, was man in seinem Laboratorium an dem Erdmangan, Erdensauerstoff, Wasserstoff entdeckt hat, als Naturgesetze anzuwenden auf die Himmelssphäre. Und wenn man dabei neue Stoffe entdeckt, so macht man ja zuweilen so unbewußte Andeutungen, daß man da in recht zweifelhaftes wissenschaftliches Getriebe hineinkommt. Man hat da überall Wasserstoff gefunden in den Raumesweiten, Helium zum Beispiel, aber man hat noch einen anderen Stoff gefunden, der hat einen sonderbaren Namen, sonderbar, weil er schon etwas hindeutet auf die Verwirrung des Denkens, die da eintritt. Er heißt nämlich Nebulium. Es wird das Denken da nebelhaft, daher dieses Nebulium neben dem Helium, neben dem Wasserstoff. Wenn man so einfach dasjenige, was man in seinem Erdenlaboratorium als Naturgesetze erkundet hat, anwendet, und nun auf die Art zum Beispiel des schwedischen Denkers Arrhenius, der in dieser Beziehung wirklich unendlich viel Unheil angerichtet hat, nachspekuliert, was da draußen in räumlichen Weiten vor sich gehen könne, dann muß man notwendigerweise in Irrtum über Irrtum hineinkommen, wenn man das Folgende nicht in unbefangener Art betrachten kann.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/227/1923-08-22/p018.json
Cite: GA 227/1923-08-22/p018 · edition original