Das Traumleben
Das durchschaut der gegenwärtige Mensch mit seiner Wissenschaft. Aber er durchschaut nicht das andere, daß, wenn er Naturgesetze hier auf dem Erdenkörper aufstellt in seinem Laboratorium und diese Naturgesetze in Ideen bringt, daß die Wahrheit dieser Naturgesetze, der Inhalt dieser Naturgesetze auch aufhört, je weiter man sich von der Erde entfernt. Wenn man also auf der Erde ein Gesetz für die Verbindung von Elementen aufstellt, Sauerstoff und Wasserstoff oder irgendwelchen Elementen, wenn man auf der Erde das Gravitationsgesetz aufstellt, so nimmt die Wahrheit des Inhaltes dieses Gesetzes eben auch mit dem Hinausgehen in den Weltenraum ab. Und wenn ich hier in meinem Laboratorium ein gewisses Naturgesetz aufgestellt habe, und ich übertrage dieses Naturgesetz auf einen Spiralnebel im fernen Weltenraum, so habe ich genau dasselbe getan, als wenn ich glaube, wenn ich hier eine Kerze aufstelle, diese Kerze anzünde und nun durch den Weltenraum hinausstellen könnte in den Spiralnebel, so würde das Kerzenlicht da oben mit derselben Intensität scheinen wie hier. Gerade diesem selben Irrtum gebe ich mich hin, wenn ich glaube, daß das, was ich hier in meinem Laboratorium festgestellt habe, auch da draußen in dem fernen Weltenraum gilt. So daß gerade ein durchgreifender Irrtum dadurch entsteht, daß man das, was man in einem Erdenlaboratorium als ganz richtige Naturgesetze findet, nun übertragt auf die Weiten des Himmelsraumes.
Cite:
GA 227/1923-08-22/p024 · edition original