Das Einziehen des Menschen in die Epoche der Freiheit

GA 227/1923-08-31_02/p039 ·1923-08-31 · original (original)
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Sie können bei solch einem Mann zum Beispiel den Satz lesen: Der Mensch ist einmal, man möchte sagen, durch die historisch verborgenen Seelenprovinzen dazu veranlagt, ein Gotteswesen anzunehmen. — Nun formt der betreffende Psychiater den Satz dazu: Aber ein Gotteswesen kann es ja selbstverständlich nicht geben. Er [Jung] ist ja natürlich atheistisch gesinnt. Da fordert aber die Psychoanalyse: Der Mensch, so wie er eben veranlagt ist, muß, um sein seelisches Gleichgewicht zu erhalten, ein Gotteswesen annehmen. Das heißt aber nichts Geringeres als, wenn man ganz gewissenhaft ist - und die Gewissenhaftigkeit und Exaktheit eines solchen Mannes wie Jung werde ich immer anerkennen -: Du mußt mit der Unwahrheit leben, denn mit der Wahrheit kannst du nicht leben. Der Theismus ist die Unwahrheit. Du mußt mit der Unwahrheit, mit dem Theismus leben. — Diese Dinge nimmt nur die heutige Entwickelung nicht völlig ernst. Man muß sie aber mit völligem Ernst nehmen.

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