{"corpus":"steiner","locus":"GA 228/1923-09-14/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Für das Thema der Vorträge, die ich im Verlaufe dieser Tagung halten werde, habe ich eine Darstellung des menschlichen Wesens gewählt, wie es sich entfaltet, entwickelt hat in einer gewissen Vergangenheit, wie es dasteht in der unmittelbaren Gegenwart, und wie sich seine Perspektiven ergeben für die Zukunft der menschlichen Entwickelung auf unserem Erdenplaneten. Es ist ja jeder Weltanschauung, die aussichtsvoll eingeströmt ist in die abendländische Zivilisation mit ihrem amerikanischen Anhang, darum zu tun gewesen, den Menschen nicht nur in seine menschliche Gegenwart hineinzustellen und darauf hinzuweisen, wie sich der einzelne Mensch im Schoße der ganzen menschlichen Erdenbevölkerung räumlich ausnimmt, sondern gerade solchen Weltanschauungen, die Aussicht hatten, in die abendländische Zivilisation aufgenommen zu werden, war es eigen, daß sie den Menschen immer auch hineingestellt haben in den Verlauf des geschichtlichen Werdens der Erdenbevölkerung, daß sie zusammengeschlossen haben den Gegenwartsmenschen mit dem Menschen der Vorzeit, entweder bis zu einem gewissen Punkte hinauf, wie es das Alte Testament machte, mehr als Erdengeschichte, oder auch weiter hinauf bis zum Verfolgen planetarischer kosmischer Entwickelungen. Den orientalischen Weltanschauungen und auch den älteren Weltanschauungen Europas, insofern diese noch nicht zur modernen Zivilisation gehören, war dies weniger eigen. Die begnügten sich mehr damit, den Menschen sozusagen in den Raum hineinzustellen. Unser Empfinden, unser Fühlen könnte sich aus alledem, was uns anerzogen ist aus der abendländischen Entwickelung heraus, mit einem solchen räumlichen Hineinstellen des Menschen in die Welt nicht begnügen. Es verlangt aus einem gewissen seelischen Instinkt heraus, gewissermaßen im brüderlichen Zusammenschluß zu stehen nicht nur mit den Menschen der Gegenwart im Raume, sondern auch mit den Menschen der Vorzeit, die ja eigentlich erst mit denen der Gegenwart und der Zukunft das ganze Menschengeschlecht ausmachen. Nun kommen wir nicht zu einer befriedigenden Anschauung über diese geschichtliche Entwickelung des Menschen im engeren oder weiteren Sinn, wenn wir nur auf die äußeren anthropologischen Ergebnisse hinschauen. Denn der Mensch ist nun einmal ein Wesen, dessen Entwickelung durch äußere Dokumente, und wären sie noch so geistreich gedeutet, nicht erfaßt werden kann. Der Mensch ist ein körperlich-seelisch-geistiges Wesen, der Mensch ist ein Wesen, welches in einem höheren oder niederen Grad immerzu der Geist so durchglänzt hat, daß Bewußtsein in ihm gelebt hat. Und wie das Bewußtsein des Menschen sich entwickelt, das stellt sich eigentlich für die Betrachtung so hin, daß man die ganze Natur und Wesenheit des Menschen in dieser Bewußtseinsentfaltung erblicken kann, wie man schließlich das Wesen der Pflanze in der Blüte sinnlich erfassen kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Mensch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vom Gesichtspunkt der Bewusstseinsentwickelung I","site_heading":null,"date":"1923-09-14","location":null,"word_count":402,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/228/1923-09-14/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/228/1923-09-14/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/228/1923-09-14/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}