Der Mensch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vom Gesichtspunkt der Bewusstseinsentwickelung I

GA 228/1923-09-14/p011 ·1923-09-14 · original (original)
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Die Menschen sind heute empfindlich für das Licht, namentlich wenn das Licht auch noch der Träger der Wärme ist oder die Wärme der Träger des Lichtes. Auch das heutige Bewußtsein des Menschen merkt natürlich den Unterschied zwischen Sommersonnenlicht und Wintersonnenlicht, weil es einem im Sommer heiß ist und im Winter einen friert. Und auch noch feinere Unterschiede merkt man. Aber dieselben Unterschiede, die man im Lichte auf eine so grobe Weise merkt, daß man friert oder daß einem warm ist, die zeigen sich auch im Schatten. Es ist nicht einerlei, ob die Oktobersonne oder die Julioder Augustsonne den Schatten wirft, nicht nur der Richtung nach, sondern auch der inneren Qualität nach. Und zu der Aufgabe eines Druidenpriesters gehörte es, ein Schauvermögen zu haben für die Qualität des Schattens, für jene eigentümliche Beimischung, man möchte sagen, eines rötlichen Tones beim Augustschatten, eines bläulichen Tones beim November- oder Dezemberschatten. Und so konnte man mit der Schulung, die man als Druidenpriester hatte, den Tageslauf der Sonne im Schatten lesen. Man konnte den Jahreslauf der Sonne im Schatten lesen. Man sieht diesen Dingen heute noch an, daß eine der Verrichtungen, die bei ihnen vorgenommen wurden, in so etwas bestand. Es waren noch viele Dinge da, die zu diesem Kultus gehörten. Ein Sonnendienst, aber ein Sonnendienst, der nicht bloß irgendeine Abstraktion war, nicht einmal die Abstraktion der Andacht und der Demut bloß. Es wäre ein völliger Irrtum, wenn man das glaubte, trotzdem man durchaus nicht Andacht und Demut zu unterschätzen braucht. Aber abstrakte Andacht und abstrakte Demut allein waren hier nicht das Maßgebende, sondern der Kultus schloß noch etwas ganz anderes in sich.

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