Neunter Vortrag
Nun gehen wir wiederum von den Gnomen zu den Undinen, zu den Wasserwesen. Da bietet sich einem eigentlich eine sehr merkwürdige Vorstellung. Diese Wesenheiten haben nicht dieses Lebensbedürfnis, das die Menschen haben, auch nicht das Lebensbedürfnis, das die Tiere haben, wenn auch instinktiv, sondern man könnte fast sagen: die Undinen, auch die Sylphen, sie haben eher ein Todesbedürfnis. Sie sind wirklich auf eine kosmische Art so wie die Mücke, die sich in die Flamme stürzt. Sie haben das Gefühl, daß sie eigentlich erst recht ihr Leben haben, wenn sie sterben. Außerordentlich interessant ist es: Hier in der physischen Erde will alles leben, und man schätzt eigentlich alles, was Lebenskraft in sich hat; man schätzt gerade alles, was lebendiges Sprießen und Sprossen hat. Kommt man da hinüber, dann sagen einem alle diese Wesenheiten: das Sterben, das ist eigentlich erst der richtige Anfang des Lebens. Und das können diese Wesenheiten auch empfinden. Denn nehmen wir diese Undinen. Sie wissen ja vielleicht, daß, sagen wir Schiffer, die viel auf dem Meere fahren, finden, daß das Meer so einen eigentümlichen Eindruck macht, auf der Ostsee im Juli, August, September, weiter nach Westen hinüber schon im Juni, und daß diese Leute sagen: das Meer beginnt zu blühen. Es schlägt aus gewissermaßen; aber es schlägt aus von alledem, was im Meer verwest. Die Verwesung des Meeres macht sich da geltend; sie gibt dem Meere einen eigentümlichen fauligen Geruch.
Cite:
GA 230/1923-11-04/p014 · edition original