{"corpus":"steiner","locus":"GA 230/1923-11-09/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Jedes einzelne Glied der Menschenerkenntnis muß, ich möchte sagen, in einer gewissen Weise inspiriert sein von demjenigen, was zugrunde liegt dem, was ich hier gesagt habe. Nehmen Sie an, es will jemand ein System der Heilkunde aufstellen, ein wirklich rationelles System der Heilkunde. Was wird denn das enthalten müssen? Natürlich in der Hauptsache die Heilungsprozesse. Aber die Heilungsprozesse, wovon werden die denn ausgehen müssen? Sie werden ausgehen müssen von den Stoffwechselvorgängen, und das andere kann höchstens Voraussetzung sein, wir werden darüber auch noch zu sprechen haben; das Anatomische, selbst das feiner Anatomische, das kann nur, weil es das Festgestaltete ist, der Ausgangspunkt sein. Das macht sich schon selbst menschlich. Aber die Stoffwechselvorgänge müssen zunächst von einem rationellen System der Medizin so studiert werden, daß man in ihnen immer die Tendenz wahrnimmt, wie sie zum Krankmachenden hingehen. So daß ein heutiges System der Medizin, das aufgestellt werden kann, durchaus mit dem Stoffwechselsystem, das heißt, zunächst mit den normalen Stoffwechselvorgängen zu beginnen hat, und daß von da aus geschöpft werden muß die Erkenntnis der Möglichkeit, wie nun innere Krankheiten aus dem Stoffwechsel heraus im weitesten Sinne entstehen können. Dann muß sich daraus durch eine intime Erkenntnis dessen, was die rhythmischen Prozesse machen, das ergeben, was die eigentliche Therapie ist. So daß bei einem heutigen System der Medizin begonnen werden muß mit dem Studium der Stoffwechselvorgänge, und dann von da aus der Übergang gemacht werden muß zu alldem, was im Bereich der rhythmischen Vorgänge im Menschen vorkommen kann. Und dann, möchte ich sagen, wird eine Art von Krönung des Ganzen erreicht werden, indem man zeigt, wie ein gesundes Entwickeln der geistigen Anlagen des Menschen voraussetzt die Erkenntnis desjenigen, was aus den heilenden Kräften kommt. Sie können heute gar keine Pädagogik, das heißt, keine Kunst der gesunden Entwickelung der Geistesnatur des Menschen finden, wenn Sie nicht ausgehen von den Heilungsprozessen; denn die Heilungsprozesse sind nichts anderes, als auf die Mittelnatur des Menschen das angewendet, was schon im reinen Denken verwendet werden muß bei der Ausbildung der geistigen Vorgänge des Menschen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1923-11-09","location":null,"word_count":336,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/230/1923-11-09/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/230/1923-11-09/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/230/1923-11-09/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}