Anthroposophie als Zeitforderung
Damit aber untergräbt man sich auch das richtige innerliche Selbstvertrauen. Wodurch fühlt sich denn der Mensch als ein Angehöriger der heute mit so großen Erfolgen durchforschten Naturwelt? Nur dadurch, daß er diese Naturwelt in sich selber, zunächst in seinem äußeren physischen Leibe trägt. Alles was in unserer Umgebung an Naturstoffen und Naturgesetzen ist, tragen wir, wenigstens zum großen Teile, in uns. Wir können uns dadurch verbunden fühlen mit der sinnlichen Natur. Wir würden uns gar nicht als existierend fühlen in dieser sinnlichen Natur, wenn wir ihr nicht mit unserem eigenen Leibe angehörten, oder wenn wir uns selber nicht als Sinneswesen erforschen könnten. Ebenso aber, wenn auch die Menschen sich das noch nicht voll zum Bewußtsein bringen, ist es mit dem Übersinnlichen, mit dem als wahrhaftem Menschenwesen gefühlten mensch lichen geistigen Inneren. Können wir uns nicht fühlen als angehörig einer geistigen Natur, können wir uns nicht fühlen als Wesen, welche die Kräfte, die Substanzen des Geistigen in sich aufnehmen und an sich tragen, dann können wir uns nicht als geistige Menschenwesen überhaupt anerkennen. Dann aber muß in uns fehlen das Selbstvertrauen zu dem, was wir doch fühlen als unser Wertvollstes, als unser Würdigstes, als das, wodurch wir eigentlich Menschen sind, ja Menschen sein wollen.
Cite:
GA 231/1923-11-15/p004 · edition original