Anthroposophie als Zeitforderung

GA 231/1923-11-15/p006 ·1923-11-15 · original (original)
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Und so kann die heutige Menschheit von dem aus, was ihr, ich möchte sagen, brutal feststeht im äußeren Naturdasein, keine rechte Brücke schlagen zu dem, was ihr aus dem intimsten geistigen Inneren fließt als der Inhalt der moralischen Weltordnung. Man hat gar nicht den Mut, sich das, was da für das menschliche Gemüt vorliegt, immer richtig klarzumachen. Die Naturwissenschaft hat gründlich danach hingearbeitet, wenigstens hypothetisch irgend etwas sagen zu können über die heutigen Lebewesen, aus denen sich der Mensch entwikkelt habe. Man schildert, wenigstens hypothetisch, wie sich einmal aus dem Weltennebel heraus unsere jetzige Welt gestaltet habe; man stellt auch Hypothesen auf über das Ende unseres Planetensystems oder des Systems, zu dem wir überhaupt gehören. Man denkt sich dieses ganze in der Zeit verlaufende System als aus Naturstoffen und durch Naturkräfte in irgendeiner Weise sich zusammenballend, sich konstituierend. Man denkt sich aus einem Teil dieser Kräfte dann in einer gewissen Zeit den physischen Menschen aufsteigend. Elektrizität, Magnetismus, Wärmekraft und so weiter, sie drängen sich der äußeren Beobachtung auf, in ihnen fühlt sich der denkende Mensch mit seinem Bewußtseinsinhalt sicher. Aber wenn dann in ihm das Bedürfnis entsteht, das, was nicht aus seiner physischen Natur kommt, die moralisch-geistigen Impulse, als wirksam in der Welt zu denken, wenn er wirksam denken soll, was er aus einer geistigelementaren Kraft verwirklicht, was nun auch da sein soll in der Welt, wenn er Erlebnisse haben soll in der Welt, die nicht vergehen sollen mit dem, was mit dem Physischen vergeht - dann hat der Mensch keinen Anhaltspunkt, um aus dem, was als Erkenntnisgrenzen anerkannt wird, sich zu sagen: Diese moralischen Kräfte sind ebenso wirksam wie das, was die brutalen physischen Naturkräfte als ihr Ergebnis haben.

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Cite: GA 231/1923-11-15/p006 · edition original