Anthroposophie als Zeitforderung

GA 231/1923-11-15/p010 ·1923-11-15 · original (original)
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Daher hat man im Mittelalter in den Zeiten, in denen man in einer intensiveren Weise an die Selbsterkenntnis, an die menschliche Seelenerkenntnis herangegangen ist, zunächst nicht so sehr auf das geachtet, was man durch eine bloß nach rückwärts gewendete Selbstbeobachtung während des gewöhnlichen Bewußtseins gewinnen kann, sondern man hat vielmehr gesucht, die Seelenerkenntnis auf eine andere Art zu gewinnen. Diese andere Art ist immerhin interessant, und ich muß, damit wir uns über diejenige Seelenerkenntnis, die ich eigentlich meine, verständigen können, von dieser anderen, oftmals sehr begehrten Seelenerkenntnis ausgehen. Ich bemerke aber von vornherein, daß ich nur zur Verdeutlichung dessen, was ich darlegen will, von dieser anderen Seelenerkenntnis ausgehen, ihr aber nicht einen eigentlichen Wert beimessen will. Also, es darf niemand glauben, daß ich, weil ich vom Traume ausgehe, diesem schon einen Erkenntniswert beilege. Dieses Traumleben aber ist ungemein bedeutungsvoll. Diejenigen, welche einmal Seelenerkenntnis durch das Traumleben gesucht haben, sie haben schon bemerkt, daß in einer gewissen Beziehung das Seelische im Traume viel charakteristischer erscheint, als wenn man bloß in sich hineinbrütet und, wie man oftmals sagt, sich selber beobachten will. Sie haben die Träume verfolgt und haben zunächst zweierlei Art von Träumen gefunden. Es ist ja so, daß der Traum auf und ab wogende Bilder ausbildet von einer phantastischen Anschaulichkeit, die zunächst nicht so abstrakt ist wie die Gedanken, die wir beim Tagesbewußtsein haben. Aber der Traum bildet zunächst etwas, was rätselhaft erscheint, auf der einen Seite durch seine Zusammensetzung, auf der anderen Seite durch seinen Inhalt.

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