{"corpus":"steiner","locus":"GA 231/1923-11-15/p029","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich werde im morgigen Vortrage dort anknüpfen, wo ich heute aufgehört habe, und das sittlich-religiöse Leben schildern, wie es sich im Menschen bereichert und verinnerlicht. Ich werde damit die Anwendung auf das unmittelbar praktische Leben dann morgen zu geben haben. Im heutigen Vortrage wollte ich zunächst zeigen, wie dieser Zeitforderung, die als eine Gemüts- und Seelenforderung bei immer mehr und mehr Menschen gegenüber der gegenwärtigen Zivilisation mit ihren Erkenntnisgrenzen auftaucht, Genüge getan werden kann durch eine wirkliche Geisteserkenntnis; durch eine Erkenntnis dessen, was der Mensch über seine eigene Unsterblichkeit und das, was mit ihr zusamrnenhängt, wissen will, ja, wissen muß, weil nur auf diese Art eine wahre Selbsterkenntnis erlangt wird und nur mit dieser wahren Selbsterkenntnis ein sich selbst Erfassen und sich selbst Erfühlen verbunden sein kann. Denn nur dadurch wird der Mensch vor der eigenen Seele mit ihrer Ewigkeitsnatur stehen können, daß er sich eine Erkenntnis dessen verschafft, wie er als geistig-seelisches Wesen eingewoben ist in die geistig-seelische Sphäre der Welt, so wie er als körperhaftes Wesen in der Welt des Körperhaften sein Dasein hat. Nur dann, wenn er sich von sich selbst eine Erkenntnis als Geist unter Geistern verschafft, wird er sich auch eine wirkliche innere Sicherheit verschaffen können. Weiß der Mensch, wessen er in der Welt wert und würdig ist, erst dann steht er mit dem Bewußtsein von sich als Mensch in der Welt, das er aus unbestimmtem Gefühl heraus als das einzig richtige Menschenbewußtsein anerkennen kann. Und erst dadurch, daß die Menschen wiederum nach einem solchen Licht der Selbsterkenntnis und der geistigen Welterkenntnis suchen werden, erst dadurch wird der Hunger der Gegenwart nach einem wirklichen Durchdringen der eigenen Menschennatur gestillt werden können. Denn die Menschheit wird gegenüber allen Anforderungen der fortschreitenden Zivilisation nicht anders zurechtkommen können, als wenn sie begreift: Selbst-Erkenntnis des Menschen kann nicht etwas anderes sein als Geist- Erkenntnis, denn der Mensch kann sich als wahrer Mensch nur erfühlen, wenn er sich als Geist unter Geistern erkennt, wie er sich in seinem vorübergehenden Erdendasein nur empfinden kann als körperliches Wesen unter körperlichen Wesen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Anthroposophie als Zeitforderung","site_heading":null,"date":"1923-11-15","location":null,"word_count":339,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/231/1923-11-15/p029","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/231/1923-11-15/p029"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/231/1923-11-15/p029","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}