Zweiter Vortrag
Derjenige, der durch des Todes Pforte ein moralisch Böses mit der Seele verbunden trägt, der trägt einen physiognomischen Ausdruck, durch den er äußerlich, wenn ich so sagen darf, ähnlich wird den ahrimanischen Gestalten. Und es ist für die erste Zeit nach dem Tode durchaus so, daß alles Empfinden und Wahrnehmen des Menschen gebunden ist an dasjenige, was der Mensch in sich nachbilden kann. Wenn der Mensch nun an sich selber die Physiognomie Ahrimans trägt dadurch, daß er das moralisch Böse in seiner Seele durch des Todes Pforte geführt hat, dann kann er auch nur dasjenige, was Ahriman ähnlich ist, nachbilden, das heißt wahrnehmen, und er ist gewissermaßen seelisch blind gegen diejenigen Menschenseelen, die mit guter Stimmung, mit guter moralischer Stimmung durch des Todes Pforte hindurchgegangen sind. Das gehört sogar zu dem schärfsten Gericht, in das der Mensch eingeführt wird, nachdem er den Durchgang gefunden hat durch des Todes Pforte, daß er, insofern er böse ist, nur seinesgleichen sehen kann, weil er nur das in sich nachbilden kann, was die Physiognomie von auch bösen Menschen ist.
Cite:
GA 232/1923-11-24/p014 · edition original