Fünfter Vortrag
Stellen Sie sich das recht vor. Es ist im Grunde genommen ein Bild, das von dem Heutigen, was wir in unserer Umgebung haben, sehr verschieden ausschaut. Wenn man als heutiger Mensch sich in die damalige Zeit versetzen könnte, sagen wir solch ein Schilderhäuschen irgendwo hinstellen könnte und sich da beobachtend hineinsetzen könnte, wie es heute unsere Freunde haben, die die Wache hier am Goetheanum leisten, und da hinausschauen könnte in jene alte Welt, da würde man überall sehen: da taucht auf ein Pflanzenbild, ein mächtiges Pflanzenbild, wie gesagt unseren heutigen Algen oder auch Palmen ähnlich, aber es schießt auf — es wächst nicht aus der Erde im Frühling heraus und vergeht im Herbste, sondern es schießt, in der Frühlingszeit erscheinend, heraus — die Frühlingszeit ist viel kürzer und dann erlangt es seine Mächtigkeit, dann verschwindet es wiederum im flüssig-eiweißähnlichen Elemente. Diesen Anblick des immer Ergrünenden und immer wiederum Vergrünenden würde ein solcher Beobachter haben. Und er würde nicht sprechen von den Pflanzen, die die Erde bedecken, sondern er würde sprechen von den Pflanzen, die wie Luftwolken aus dem Kosmos herein erscheinen, dicht werden, sich auflösen — ein Ergrünendes in der Eiweiß-Atmosphäre. Und man würde von dem, was unserem heutigen Sommer etwa entsprechen würde, sagen: Es ist die Zeit, in der die Erdenumgebung ergrünt. Man würde aber zu dem Grün mehr hinaufschauen als hinunterschauen. So daß man auf diese Art die Vorstellung bekommt, wie das Kieselige der Erd-Atmosphäre hereinzieht in das Irdische und die Pflanzenkraft, die eigentlich draußen im Kosmos ist, an sich heranzieht; wie die Pflanzenwelt aus dem Kosmos auf die Erde herunterkommt. Aber in der Periode, von der ich da spreche, ist es eben durchaus so, daß man sagen muß: Diese Pflanzenwelt, sie ist ein in der Atmosphäre Entstehendes und Vergehendes.
Cite:
GA 232/1923-12-01/p015 · edition original