Zehnter Vortrag

GA 232/1923-12-14/p015 ·1923-12-14 · original (original)
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Und es war immer ein großer Augenblick, wenn solch ein Schüler, wie der griechische Schüler der chthonischen Mysterien, nachdem er solche Dinge verstehen gelernt hatte, zu folgendem geführt wurde. Es wurde ihm mit möglichster Feierlichkeit die Substanz des Bleies gezeigt. Dann wurde sein Sinn hinaufgelenkt zum Saturn. Dann wurde ihm die Verwandtschaft des Saturn mit dem irdischen Blei vor die Seele geführt. Dann wurde ihm gesagt: So, wie du dieses Blei siehst, so birgt es die Erde. Aber die Erde in ihrem jetzigen Zustande ist nicht imstande, dem Blei unmittelbar eine solche Form zu geben, daß dieses Blei im Menschen wirken könnte. Aber der Saturn mit seinem ganz anderen Wärmezustand, mit seinen inneren Lebenskräften, versprüht das Blei im planetarischen Raum, und dadurch bist du ein selbständiger Mensch, bist du ein erinnerungsfähiger Mensch. Denke daran, daß du ein Mensch bist nur dadurch, daß du heute noch weißt, was du vor zehn, vor zwanzig Jahren gewußt hast. Denke nur daran, wie dein Menschliches Schaden leidet, wenn du nicht in dir trägst, was du vor zehn, zwanzig Jahren in dir getragen hast. Deine Ichkraft würde zersplittert werden, wenn die Erinnerungskraft nicht in vollem Maße vorhanden wäre. Das verdankst du dem, was dir vom fernen Saturn entgegenstrahlt. Es ist die Kraft, die im Blei der Erde zur Ruhe gekommen ist und in diesem Ruhezustand nicht mehr auf den Menschen wirken kann. So macht es des Saturn Bleikraft, daß in dir Gedanken sich festsetzen, daß sie nach gewissen Zeiten wiederum heraufkommen aus den Tiefen der Seele, daß du mit der äußeren Welt dauernd, nicht bloß vorübergehend leben kannst. Du verdankst es dieser Blei-Saturnkraft, daß du nicht bloß heute die Gegenstände um dich herum siehst und sie morgen vergessen hast, sondern, daß du sie behalten kannst, daß du dasjenige, was du vor Jahren erlebt hast, wiederum in deiner Seele regsam werden lassen kannst; du kannst dein inneres Seelisches so gestalten, wie zeit deines irdischen Lebens dasjenige war, was du in deiner Umgebung erlebt hast.

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Cite: GA 232/1923-12-14/p015 · edition original